Bauchspeicheldrüsenkrebs: So können Sie ihn erkennen
Dr. Regina Kalkert in Täglich Gesund
vom 1. September 2010, 16:00 Uhr
GNL5356
Der Bauchspeicheldrüsenkrebs, auch Pankreaskarzinom genannt, ist eine bösartige Veränderung der Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Er wird meist erst spät bemerkt, da er in der Regel erst spät Beschwerden verursacht und die dann auch noch recht unspezifisch sind. Das bedeutet, dass diese Beschwerden bei mehreren Krankheiten auftreten können. Umso wichtiger ist es, dass Sie die Symptome kennen, damit Sie sie richtig bewerten und frühzeitig Ihren Arzt aufsuchen.
Betroffen von dieser bösartigen Erkrankung sind vorwiegend Menschen zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr. Männer erkranken etwa doppelt so häufig wie Frauen. In letzter Zeit finden sich jedoch auch immer häufiger jüngere Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs. Diese Tumorart tritt bei einem von 10.000 Menschen auf. Bei lediglich ca. 20 % aller Erkrankten ist eine Heilung noch möglich, da ein Pankreaskrebs meist erst im fortgeschrittenen Stadium festgestellt wird. Dieser Tumor bildet leider frühzeitig Tochtergeschwüre, die sogenannten Metastasen. Über die Lymphbahnen gelangen diese Tumorzellen in nahe gelegene Lymphknoten und in den Bauchraum. Über den Blutweg können sie außerdem in Leber, Lunge, Niere und Knochen gelangen.
So wird ein Bauchspeicheldrüsenkrebs behandelt
Die einzige Behandlungsmöglichkeit ist die Operation. Da es sich hierbei um einen großen und auch riskanten chirurgischen Eingriff handelt, kann er nur in spezialisierten Krankenhäusern vorgenommen werden. Bei der Operation werden der erkrankte Teil des Pankreas sowie eventuell auch die gesamte Bauchspeicheldrüse, der Zwölffingerdarm, die Milz und die benachbarten Lymphknoten entfernt. Ob eine Strahlen- oder Chemotherapie im weiteren Verlauf helfen kann, ist zurzeit noch nicht sicher geklärt. Neuesten Studien zufolge scheint es den Krebspatienten längerfristig besser zu gehen, die nach einer Operation zusätzlich eine Chemotherapie erhalten. Gelegentlich ist es auch sinnvoll, bereits vor einer Operation mit Chemotherapie und Bestrahlung zu versuchen, das Krebsvolumen so stark zu verringern, dass die Operation schließlich mit dem Ziel der „Heilung" durchgeführt werden kann.
Achtung: Wird die ganze Bauchspeicheldrüse bei einer solchen Operation entfernt oder ist der Teil, der das Insulin produziert, durch den Tumor zerstört, dann erkrankt der Patient an einem erhöhten Blutzucker. Er muss lebenslang Insulin spritzen, das sonst von der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, um den Zuckerspiegel zu regulieren. Außerdem müssen die Verdauungsstoffe, die sonst ebenfalls durch die Bauchspeicheldrüse hergestellt werden, zu jeder Mahlzeit als Medikament eingenommen werden. Trotz dieser Behandlungsmöglichkeit sind bei den Betroffenen nach einer solchen Operation leider häufig die Nahrungsaufnahme und die Verdauung gestört.
Das sind die wahrscheinlichen Risiken für ein Pankreaskarzinom
Die eigentliche Entstehungsursache des Pankreaskarzinoms ist, wie bei vielen anderen Krebserkrankungen, noch unbekannt. Bekannt und immer wieder bestätigt durch klinische Studien sind jedoch folgende Risikofaktoren:
- Nikotinkonsum. Häufig tritt das Pankreaskarzinom bei starken Rauchern auf.
- Alkoholgenuss. Auch ein Zusammenhang mit übermäßigem Alkoholgenuss wird immer wieder diskutiert.
- Fettreiches Essen. Menschen, die viele fettreiche tierische Produkte essen, steigern damit ihr Risiko, an einem Pankreaskrebs zu erkranken.
- Übergewicht. Auch erhebliches Übergewicht ist ein Risikofaktor für die Tumorentstehung in der Bauchspeicheldrüse.
- Zuckerkrankheit. Diabetiker erkranken häufiger an einem Bauchspeicheldrüsenkrebs.
- Familiäre Belastung. Ob Vererbung eine Rolle spielt, ist bislang noch nicht geklärt. Pankreaskarzinome finden sich allerdings gehäuft innerhalb einer Familie.
- Chronische Entzündung. Ist die Bauchspeicheldrüse wiederholt entzündet, entwickelt sich eine chronische Pankreatitis. Auch daraus kann ein Krebs entstehen.
Tipp: Nehmen Sie deshalb die Anordnungen Ihres Arztes immer ernst und achten Sie selbst mit darauf, dass eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse immer vollständig auskuriert wird.
Diese Beschwerden sollten Sie kennen
Leider verursacht ein Bauchspeicheldrüsenkrebs meist erst in einem späteren Stadium Beschwerden. Umso wichtiger ist es dann, dass Sie die folgenden Beschwerden ernst nehmen und dass Sie rasch zu Ihrem Arzt gehen. Die einzelnen Symptome können sehr unterschiedlich sein und in allen möglichen Kombinationen auftreten. Ist eines der folgenden Symptome nicht vorhanden, heißt das nicht, dass ein solcher Tumor ausgeschlossen ist. Diese Beschwerden sind typisch für Bauchspeicheldrüsenkrebs:
- Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen
- Verdauungsprobleme, z. B. Durchfall
- unklare Gewichtsabnahme
- Leistungsschwäche und Abgeschlagenheit
- dumpfe Oberbauchschmerzen, die gürtelförmig ausstrahlen
- Gelbfärbung der Haut und der Augen (Gelbsucht) mit Juckreiz, aber ohne Schmerzen
- neu aufgetretene Zuckerkrankheit
- Schmerzen im Rücken bzw. in den Flanken
Achtung: Diese Symptome können natürlich auch bei anderen Erkrankungen, zum Beispiel des Magens, der Gallenblase oder des Darmes, auftreten! Deshalb ist es so wichtig, immer auch an die Möglichkeit eines Pankreaskarzinoms zu denken.
Ein ernster Notfall: Eine Lungenembolie
Bei etwa einem Viertel der Patienten mit einem Bauchspeicheldrüsenkrebs kommt es zur Bildung von Blutgerinnseln, die in Richtung Lunge geschwemmt werden können. Dort verstopfen sie dann die kleinen Lungengefäße. Das nennt Ihr Arzt Lungenembolie. Sie ist eine lebensgefährliche Notfallsituation. Es kommt zu Herzrasen, Luftnot, Brustschmerzen, Husten, Schweißausbrüchen und großer Angst. Sehr schnell entwickelt sich ein Schockzustand. Sie sollten im Ernstfall nicht zögern, sondern sofort unter der Telefonnummer 112 einen Notarzt alarmieren.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dieter Grotelüschen (01.09. 2010 17:08 Uhr):
ein sehr aufschlussreicher Kommentar, der Beachtung finden sollte.
Antworten - Kommentar von Kristina Hofmann (01.09. 2010 19:49 Uhr):
Zum Artikel Lungenembolie" kann ich nur sagen: Ich hatte vor 5 Jahren eine und anstatt den Notarzt zu rufen, habe ich mich am nächsten Tag zum Arzt und von dort zum Röntgenfacharzt geschleppt, um dann mit dem Notarzt ins Krankenhaus verbracht zu werden. Anschließend musste ich ein Jahr Marcumar einnehmen, auch nicht ganz ungefährlich. Und am Ende hatte man bei den Untersuchungen festgestellt, das ich ein Gen-V-Mutation-Leiden habe, d.h. mein Körper hat eine erhöhte Risikobereitschaft zu Thrombosen. Und hier habe ich eine Frage an Sie: Ich war schon mehrfach in meinem Leben im Krankenhaus, u.a. auch zur Totaloperation. Nach der OP ist Blut zurück in meinen Bauraum geflossen und hat mir dann ein Hämatom beschert! Hätte man denn damals nicht schon irgendwelche Untersuchungen anstellen können, um diesem Umstand auf den Grund zu kommen? Der Kollge meines damaligen Arztes konnte mir das Blut noch rausziehen, wenig später hätte ich nochmal operiert werden müssen. Und das Beste an der Total-OP war: Sie wäre gar nicht nötig gewesen. Das hat mir der Kollege meines Arztes gesagt und er hat mir auch gesagt, die beiden hatten eine Praxis zusammen, dass mein Arzt, entgegen seiner Behauptung, nicht mit ihm darüber gesprochen hätte, obwohl er dies behauptet hatte. Man lernt nie aus. Aber mein ehemaliger Frauenarzt ist bereits verstorben, er hatte Hautkrebs. So kann es einem auch wieder ergehen.
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