Ballenzehen: Neue Operationsmethode macht Ihre Füße wieder fit

in Täglich Gesund zum Thema Hallux Valgus
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von Sylvia Schneider, Chefredakteurin von "Gesundheit für Frauen"

Etwa acht Millionen Frauen sollen unter einem Hallux valgus leiden – der schmerzhaft verformten Ballengroßzehe. Bislang waren die üblichen Verdächtigen schnell ausgemacht: zu kleine, zu enge und zu hohe Schuhe. Stimmt nicht, sagen jetzt Experten –, und haben eine Reihe neuer Therapien in petto.


Drei Viertel aller Betroffenen sind Frauen. Und der schmerzhafte Großzehenballen plagt immer Jüngere. Da er zudem im Endstadium von ganz allein nach engen Schuhen aussieht, wenn sich der "große Onkel" schräg über seine kleineren Mitstreiter schiebt, galten Frauenschuhe über viele Jahrzehnte als Übeltäterinnen. Vor allen bei hohen Absätzen werden die Zehen auf Schritt und Tritt in diese schräge Form gepresst. Das wirkt zwar bestärkend auf die Entwicklung eines Ballenzehs, dennoch ist in den meisten Fällen eine erbliche Veranlagung vorhanden. Meist haben Mutter und Großmutter ebenfalls unter Ballenzehen gelitten, bei denen sich der erste Mittelfußknochen so nach außen schiebt, dass ein hässlicher Ballen herausragt. Übergewicht und Bewegungsmangel sind weitere Risikofaktoren. Doch der Zehennotstand ist nicht nur ein optisches Problem. Der Hallux valgus – wie die Erkrankung medizinisch heißt – gehört zu den schmerzhaftesten Veränderungen am Fuß: Im Anfangsstadium treten die charakteristischen Schmerzen und eine Rötung an der Außenseite des Ballens nur bei Belastung oder beim Tragen von festen Schuhen auf. Später kommt es dann zu unerträglichen Schmerzen an den Mittelfußköpfchen. Sie klingen auch durch das Tragen von weichen und gepolsterten Schuhen nicht mehr ab. Das rührt daher, dass der Fuß nicht mehr korrekt über den großen Zeh abgerollt wird. Die Folge ist eine Überlastung der übrigen Vorfußstrukturen. Ist der Ballen erst einmal richtig deformiert, passt der Fuß in keinen Schuh mehr.

Turnen mindert den Ballenzeh

Ein Hallux valgus entsteht über einen längeren Zeitraum hinweg. Wenn sich eine solche Entwicklung bei Ihnen anbahnt (und auch sonst), können Sie dem durch gezielte Gymnastik vorbeugen. Die Mainzer Orthopädin Dr. Petra Ziegler empfiehlt beispielsweise, den Spreizmuskel des großen Zehs (M. abductor hallucis) regelmäßig zu trainieren, um die Zehenverkrümmung wirksam aufzuhalten. Das gelingt jedoch nur im Anfangsstadium, der Zeh darf noch nicht zu schief sein.

So geht's: Versuchen Sie – so oft es geht – Ihren großen Zeh möglichst weit abzuspreizen. Dazu setzen Sie sich hin, ziehen Schuhe und Strümpfe aus. Nun legen Sie einen Fuß über das andere Knie. Legen Sie einen Zeigefinger längs an den Ballen und versuchen Sie den Finger mit dem Zeh wegzudrücken. Es ist völlig normal, wenn er sich zunächst gegen diese Bewegung "sperrt", denn der Muskel ist meist nicht sehr entwickelt.

Setzen Sie auf schonende Operationsmethoden

Ist der Zeh schon sehr gekrümmt, kann ihn nur noch ein chirurgischer Eingriff wieder begradigen. Operationen zur Begradigung des großen Zehs sind seit langem geläufig, jedoch waren sie bis vor einiger Zeit eher brachial als Erfolg versprechend. "Auch heute kommen häufig sehr radikale Operationsmethoden wie die Methode nach Keller-Brandes zur Anwendung, bei welcher die Hälfte des Großzehengrundgelenks gänzlich entfernt wird, wodurch ein optisch stark verkürzter großer Zeh mit eingeschränkter Funktionsfähigkeit verbleibt", moniert der Chirurg Dr. Masyar Rahmanzadeh vom Internationalen Zentrum für Gelenk- und Knochenchirurgie in Berlin. Die meisten nach alter Methode Operierten litten mehr an den Folgen des Eingriffs als am Ballenzeh selbst, heißt es. Viele wünschten sich hinterher, sie hätten sich den Fuß nie operieren lassen.

Die moderne Fußchirurgie hält heute eine Reihe von verfeinerten Operationsverfahren bereit, um den deformierten Fuß wieder gerade zu richten. Die Operationsmethoden werden nach ihren Erfindern benannt, und das sind Namen, die Sie sich merken und nach denen Sie fragen sollten: Kramer, Austin, Chevron oder Scarf, denn sie stehen für schonende und vor allem effektive Eingriffe. Welches Verfahren zum Zuge kommt, hängt vom jeweiligen Fuß ab. Grundsätzlich wird jedoch der Knochen des Ballens durchtrennt, der krankhafte Winkel korrigiert und die verschobenen Sehnen wieder an die richtige Stelle gebracht.

Ihre Füße sind gleich nach dem Eingriff wieder bereit, mit Ihnen durchs Leben zu gehen

Ein häufig beklagter Nachteil dieser Verfahren ist jedoch die lange Rekonvaleszenzphase. Der operierte Fuß muss meist Wochen nach der Operation noch entlastet werden. Das bedeutet: Gips, Gehstützen und so genannte Vorfußentlastungsschuhe. Da meist beide Füße nacheinander korrigiert werden, kommen mehrere Monate für die Rehabilitation zusammen. Dem soll nun die allerjüngste Operationsmethode abhelfen, die den Fuß schon gleich nach dem Eingriff wieder einsatzfähig macht. An der Stelle, an der der Chirurg nach den genannten schonenden Verfahren das Knochenstück entfernt, setzt er eine Titanplatte ein, die den Knochen in der richtigen Position hält. Beide Füße können bei einem Eingriff versorgt werden und sind nach der Operation gleich wieder belastbar. Nachdem der Knochen abgeheilt ist, werden die Titanplatten bei lokaler Betäubung wieder entfernt.

Schleichend und meist ohne Schmerzen kann sich ein Hallux rigidus entwickeln. Dahinter verbirgt sich eine Arthrose des Großzehengrundgelenks, die meist mit einer Versteifung des Zehs endet. Diese Form des Ballenzehs kann mit der neuen Operationsmethode, die auch Basis-Osteotomie genannt wird, ebenfalls wirksam beseitigt werden.

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