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Lesen Sie hier zum Thema Netzhautablösung

Da Sie bei oben genannten Symptomen keine Schmerzen empfinden, fragen Sie sich, ob Sie noch etwas warten sollten, bis die Symptome nachlassen. Die Antwort ist eindeutig: Sie sollten auf keinen Fall warten, sondern umgehend einen Augenarzt aufsuchen.

Denn diese Symptome können auf eine beginnende Netzhautablösung hinweisen – eine schwere Augenerkrankung, die stets zur Erblindung führt, wenn sie nicht sofort behandelt wird.

Wie entsteht eine Netzhautablösung

Die Innenauskleidung des Augapfels besteht aus der nur 0,1 bis 0,5 mm dicken Retina (Netzhaut des Auges), die eine große Anzahl lichtempfindlicher Sinneszellen enthält. Durch die Retina werden die Sehinformationen ans Gehirn geleitet.

Unter der Netzhaut befindet sich die Aderhaut des Auges (Choroidea), eine dünne Schicht von Blutgefäßen, die die Retina mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Eine Netzhautablösung tritt dann auf, wenn sich die Retina von der Aderhaut des Auges abhebt.

Vor dieser Abhebung treten Veränderungen im Auge auf, die eine Netzhautablösung erst möglich machen. Mit der Zeit verliert die gallertige Masse, die das Auge ausfüllt (Glaskörper bzw. Vitreous), etwas an Wasser und beginnt zu schrumpfen.

Durch diesen Schrumpfungsprozess kann der Glaskörper an der Netzhaut ziehen, wodurch sich der Glaskörper von den der Netzhaut etwasabhebt. Eine geringe Glaskörperabhebung ist in der Regel nicht gefährlich. Wenn der Glaskörper jedoch kräftig an der Netzhaut zieht und diese nicht loslässt kann die Netzhaut an einer oder mehreren Stellen reißen.

Flüssigkeit aus dem Augeninneren dringt hinter die Netzhaut und löst dadurch Schichten der Netzhaut ab. In diesen Bereichen tritt dann der Verlust der Sehkraft auf. Wenn die Netzhautablösung nicht behandelt wird, kann dieser Prozess fortschreiten und zur Erblindung führen.

Symptome einer Netzhautablösung

Eines der ersten Anzeichen sind Lichtblitze am Rande des Sichtfeldes. Eine einmalige Blitz-Erscheinung ist kein Grund zur Beunruhigung. Treten diese allerdings häufiger und auch bei geschlossenem Auge auf, könnte dies ein Symptom für eine Netzhautablösung sein.

Die biologische Erklärung für diese Blitze ist der Glaskörper des Auges, der an der Retina zieht. Ab einem Alter von 40 Jahren ist die Verkleinerung des Glaskörpers zu beobachten. Die Größenminderung kann aber auch als Folge einer Gewalteinwirkung, beispielsweise eines Schlags auf das Auge, entstehen.

Ein weiteres Symptom sind schwarze Punkte im Sichtfeld. Betroffene beschreiben diese optische Irritation als Rußregen oder einen Schwarm schwarzer Mücken. Ausgelöst wird dies durch das Einreißen von Blutgefäßen im Auge. Ein anderer Anhaltspunkt für eine Netzhautablösung ist der dunkle Schleier, der als schwarzer Vorhang oder Schatten beschrieben wird.

Dies wird durch die Ablösung der Netzhaut im oberen Bereich freigesetzt. Die Sicht wird getrübt. Wenn Sie diese Anzeichen bei sich selbst oder anderen beobachten, sollten sie schnellstmöglich einen Augenarzt aufsuchen. Wenn die Krankheit nicht zügig behandelt wird, besteht die Gefahr der Erblindung.

Netzhautablösung: Risikofaktoren

Eine Netzhautablösung tritt mit einer Häufigkeit von 1 zu 10.000 auf. Das heißt in Deutschland sind jedes Jahr etwa 8.000 Menschen von einer Netzhautablösung betroffen. Das Risiko einer Netzhautablösung steigt im Allgemeinen mit dem Alter durch die Veränderungen des Glaskörpers, die mit dem Älterwerden verbunden sind. Ein erhöhtes Risiko für eine Netzhautablösung liegt bei folgenden Voraussetzungen vor:

  • Netzhautablösung oder Degeneration am anderen Auge
  • familiäre Häufung von Netzhautablösung
  • stärkere Kurzsichtigkeit
  • Zustand nach Augen-Operationen
  • Augen, die einen Schlag erhalten oder einen Unfall erlitten haben, bzw. geschwächte Netzhautbereiche aufweisen
  • Diabetische Retinopathie

Akute Erblindungsgefahr durch Netzhautablösung

Behandelt man die Netzhautablösung nicht innerhalb der nächsten 12 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome, erblindet der Patient. Die hochempfindlichen Sehzellen der Netzhaut sterben mangels Versorgung ab. Das sind die Alarmzeichen für eine Netzhautablösung:

  • Lichtblitze am Rand des Gesichtsfeldes (auch bei geschlossenen Augen)
  • Rußflocken oder Schwärme von „schwarzen Mücken“
  • Gefühl, als ob „schwarzer Vorhang fällt“ oder eine „schwarze Wand aufsteigt“.

Als Therapie empfiehlt sich eine sofortige Laserbehandlung oder Operation.

Wenn der Glaskörper schrumpft

Wenn der Glaskörper schrumpft, weicht er möglicherweise von der Retina zurück. Falls der Zug des Glaskörpers dabei stark genug ausfällt, reißt die Netzhaut ab. Die dadurch verursachte Ablösung Ihrer Netzhaut vom Augapfel führt zu einem teilweisen Verlust der Sehkraft. Ohne Behandlung kann die Sehkraft vollständig verloren gehen.

Obwohl schmerzfrei, macht sich die Netzhautablösung fast immer durch bestimmte Symptome bemerkbar: plötzlich auftretende Gebilde, die an Spinnweben erinnern, oder eine Wolke aus Flecken begleitet von kleinen Lichtblitzen. Sobald Sie diese Anzeichen bemerken, sollten Sie einen Augenarzt aufsuchen. Übrigens halten Stillhalten und Augenschließen die Netzhautablösung auf, bis Sie Hilfe bekommen.

Netzhautablösung: Behandlung

Bei Netzhaut-Löchern, Rissen oder einer Ablösung kann das Auge nur durch eine Operation gerettet werden. Es ist wahrscheinlich, dass Ihre Sehkraft überwiegend erhalten bleibt, wenn Löcher oder Risse in der Retina behandelt werden, bevor sich die Netzhaut abgelöst hat.

Wenn Sie die Netzhaut bereits abgelöst hat und sie behandelt wird, bevor sich diese zentrale Stelle der Retina (Macula) ablöst hat, werden Sie vermutlich eine gute Sehkraft behalten. Bei Rissen oder Löchern in der Retina, die noch zu keiner Netzhautablösung geführt haben, kann der Augenarzt eine dieser beiden Verfahren vorschlagen, die ambulant durchgeführt werden können.

Laserstrahl auf die Netzhaut

  • Photokoagulation – Bei dieser Methode wird ein Laserstrahl durch spezielle Linsen auf die Netzhaut gerichtet, um die Netzhautablösungen durch ther mische Einwirkung zu verkleben bzw. zu vernarben. Durch die Vernarbung bzw. Verschmelzung wird die Netzhaut gewöhnlich an der Aderhaut des Auges (Choroidea) gehalten.

Vereisung mittels Kältesonde

  • Kryopexie – Diese Behandlungsmethode beruht auf der Anwendung tiefer Temperaturen (so genannte Kältechirurgie), so dass die Netzhaut um das Loch oder den Riss herum vereist wird. Mit einem lokal wirkenden An ästhetikum wird das Auge betäubt. Eine Kältesonde wird direkt an der äußeren Oberfläche des Auges über dem Netzhautdefekt angesetzt.

Der Tiefkühleffekt führt zu einer Vernarbung und schließlich zu einem Verschmelzen des Loches in der Netzhaut und zu einem Wiederanlegen der Netzhaut an die Choroidea. Beide Methoden können in den meisten Fällen verhindern, dass sich die Netzhaut ablöst. Unmittelbar nach der Behandlung kann die Sicht verschwommen sein. Der Heilungsprozess dauert in der Regel 10 bis 14 Tage.

Netzhautablösung: Operationsverfahren

Wenn sich die Netzhaut bereits abgelöst hat, empfiehlt der Operateur eine der nachfolgenden Methoden. Dabei spielen Lage, Größe und Dauer der Ablösung sowie Zahl der Löcher bzw. Risse eine Rolle.

Buckelchirurgie

Diese Operationsmethode wenden Chirurgen vor allem bei ausgedehnten Netzhautablösungen an und führen sie unter Lokalbetäubung oder Vollnarkose durch. Zunächst behandeln sie mit Hilfe der Kryopexie die Risse oder Löcher der Netzhaut.

Im Anschluss befestigen sie eine Plombe aus Kunststoff oder Silikonmaterial an der Lederhaut des Auges (Sklera). Die Plombe dellt den Augapfel von außen leicht ein, sodass sich die äußeren Schichten des Augapfels der abgehobenen Netzhaut wieder annähert.

Das Silikon-Bändchen trägt dazu bei, dass der Umfang des Glaskörpers schrumpft. Dies verhindert ein weiteres Ablösen. In manchen Fällen legt man das Silikon-Bändchen vollständig um das Auge. Die Plombe näht man auf die Lederhaut auf und sie verbleibt in der Regel lebenslang dort.

Pneumatische Retinopexie

Diese ambulante Methode unter lokaler Anästhesie setzt man ein, wenn die Netzhautablösung unkompliziert ist und sich in der oberen Hälfte der Retina befindet. Auch hier vereisen die Chirurgen zunächst den Riss mit Hilfe der Kryopexie. Es folgt ein Absaugen der Flüssigkeit, die schon hinter die Netzhaut gelaufen ist.

In einem weiteren Schritt führen sie Gas in den Glaskörper ein. Die Zufuhr des Gases und die Ausdehnung des Glaskörpers drückt die Netzhaut wieder an die Augenwand. Auf diese Weise läuft keine weitere Flüssigkeit hinter die Netzhaut.

Bevor sich das Gas innerhalb von zwei bis sechs Wochen von allein resorbiert, darf der Patient keine Flugreisen unternehmen und nicht in die Berge gehen. Ein plötzlicher Druckabfall kann zu einer Ausdehnung der Gasblase im Auge führen und auf das Auge einen gefährlichen Druck ausüben.

Vitrektomie

Bedingt durch Blutungen oder Entzündungen ist der Glaskörper in manchen Fällen eingetrübt, sodass die Einsicht des Operateurs auf den Netzhautdefekt behindert ist. In anderen Fällen ist wegen vernarbten Gewebes eine Behebung der Netzhautablösung durch eindellende Operationsverfahren oder eine pneumatische Retinopexie allein nicht möglich.

In diesen Situationen führen die Mediziner eine so genannte Vitrektomie durch. Bei diesem Operationsverfahren entfernt man den trüben Glaskörper oder das narbige Gewebe und ersetzt es durch eine Salzlösung. So erhält man den üblichen Augendruck und die Form aufrecht.

Nach der Vitrektomie finden eindellende Operationsverfahren (z.B. Buckelchirurgie) statt. Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Glaskörper nach der Vitrektomie mit resorbierbaren Gasen oder durchsichtigem Silikonöl auszufüllen. In der Folge presst sich die abgehobene Netzhaut von innen an die Augapfelwand.

Komplikationen infolge einer Netzhautoperation kommen selten vor. Es kann jedoch zu einem erneuten Auftreten von Netzhautablösung, Grauem Star, übermäßig vernarbtem Gewebe, Glaukom, Entzündung oder Infektion kommen. Manche Fälle erfordern weitere Operationen.

Sehkraft nach der Operation

Auch wenn jede Operation Risiken birgt, führt eine nicht behandelte Netzhautablösung immer zu einer schwerwiegenden Beinträchtigung der Sehkraft oder zur Erblindung. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie unmittelbar nach dem Auftreten erster Anzeichen von Sehstörungen einen Augenarzt aufsuchen.

Nach einer komplizierteren Netzhautoperation dauert es mehrere Monate, bis sich das Sehvermögen verbessert. Wie gut der Patient nach einem Eingriff sieht, hängt vom Schweregrad des Netzhautdefekts ab und von der Frage, ob die Makula von der Netzhautablösung betroffen war.

Wenn dieser kleine Bereich in der Mitte der Netzhaut einbezogen war, kann sich das Sehvermögen wahrscheinlich nicht vollständig herstellen. Einige Erkrankte erlangen das Sehvermögen nicht zurück.