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Die Alternative zur Laserchirurgie: Kontaktlinsen für die Nacht

Falls Sie kurzsichtig sind und eine Brille benötigen, dachten Sie unter Umständen an eine Laseroperation. Dabei drohen irreversible Schädigungen! Eine deutlich ungefährlichere Alternative: Kontaktlinsen, die Sie während des Schlafs tragen und die Ihre Hornhaut so formen, dass Sie tagsüber ohne Brille scharf sehen.

Viele Menschen finden Brillen lästig oder glauben, dass sie ohne Sehhilfe attraktiver aussehen. Für sie scheint eine Laser-Operation der Hornhaut ideal: Per Laser trägt der Chirurg die Hornhaut des Auges zum Teil ab und moduliert sie so, dass auf der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht. Seit etwa zehn Jahren bieten Mediziner diese Operationen an und der Markt boomt. Jedes Jahr lassen sich 90.000 Deutsche für mehrere Tausend Euro (die sie aus eigener Tasche bezahlen) ihre Sehfehler „weglasern“. Für Augenärzte und Gerätehersteller ist das ein einträgliches Geschäft. Aus diesem Grund dringen Berichte über Nebenwirkungen und Langzeitfolgen in seltenen Fällen an die Öffentlichkeit.

Die Risiken einer Laser-Operation

  • chronisch trockene Augen
  • Blendempfindlichkeit (z. B. bei nächtlichen Autofahrten)
  • Einschränkungen des Nachtsehens
  • Infektionen durch den Eingriff
  • Über- oder Unterkorrektur des Sehfehlers (Folge: Sie benötigen weiterhin eine Brille)
  • Hornhautwucherungen

Am häufigsten kommt es nach einer Laser-Operation zu chronisch trockenen Augen. Fast 40 % der Patienten sind davon mehr oder weniger stark betroffen. Viele sind auf künstliche Tränen angewiesen. Der Grund: Bei der Operation durchtrennt man feine, aber wichtige Nerven, die die Hornhaut durchziehen.

Nachtlinsen hinterlassen keine bleibenden Schäden

Eine Alternative, die ohne Schnitte und dauerhafte Veränderungen des Augengewebes auskommt, sind die so genannten Orthokeratologie-Linsen („Ortho-K-Linsen“). Sie tragen sie während des Schlafs wie normale Kontaktlinsen. Die Linsen formen die Hornhaut so, dass auf der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht. Der große Vorteil gegenüber dem Lasern: Der Patient kann die Behandlung bei Problemen zu jeder Zeit abbrechen. Spätestens 14 Tage nach dem Absetzen der Linsentherapie wölbt sich die Hornhaut in ihrer ursprünglichen Form. Danach können Sie auf eine Brille oder herkömmliche Kontaktlinsen wechseln. Das bedeutet für Sie keine irreversible Schädigungen.

Nachdem man die Linse am Morgen aus dem Auge entfernt, bleibt die Hornhaut den ganzen Tag über in der richtigen Form. Das bestätigt beispielsweise eine Untersuchung der Höheren Fachschule für Augenoptik in Köln aus dem Jahr 2005. Bei 100 Trägern der Nacht-Linsen untersuchten Forscher, wie lange die Sehschärfekorrektur über den Tag anhält. Bis zum Abend nahm sie durchschnittlich um 0,25 Dioptrien ab. Das ist ein Wert, der im Alltagsleben kaum auffällt. Bei jeder zweiten Testperson blieb die Sehkraft über 48 Stunden fast unverändert, das heißt sie müssten die Linsen theoretisch lediglich jede zweite Nacht tragen.

Nächtliche Autofahrten können problematisch sein

Schwierigkeiten machen Ihnen die Linsen, wenn Sie nachts auf das Auto angewiesen sind. Viele Patienten sehen zum Beispiel Lichter anderer Fahrzeuge doppelt und schätzen deren Geschwindigkeit falsch ein. Vernünftigerweise sollten Sie in solch einem Fall auf die Linsen oder das Auto verzichten. Allerdings: Dieses Phänomen verschwindet, wenn Sie die Linsen absetzen. Dagegen haben viele Laser-Patienten ein Leben lang damit zu kämpfen.

Die Nachtlinsen sind mit Sicherheit nicht für jeden Menschen gleich gut geeignet. Immerhin bricht jeder vierte Patient die Testphase ab. Doch Sie müssen nicht mit bleibenden Schäden rechnen. Aus diesem Grund stellen sie eindeutig die bessere Lösung dar als eine Laser-Operation, die mit einem unsicheren Ausgang behaftet ist.

Das sollten Sie über Ortho-K-Linsen wissen

  • Das Prinzip: Man trägt die Linsen nachts. Sie formen die Hornhaut des Auges so, dass ein scharfes Bild auf der Netzhaut entsteht.
  • Für wen geeignet? Die Linsen sind für kurzsichtige Patienten mit bis zu 6 Dioptrien geeignet. In Einzelfällen glichen sie bis zu 10 Dioptrien aus. Der Tränenfluss sollte nicht gestört sein (keine trockenen Augen).
  • Der Vorteil: Es bleiben keine irreversiblen Schäden am Auge zurück. Der Patient kann die Therapie jederzeit abbrechen.
  • Die Verträglichkeit: Etwa 75 % der Patienten kommen mit den Linsen gut zurecht. Dennoch brechen 25 % die Testphase ab, weil die Linsen zu fest sitzen, ein Fremdkörpergefühl verursachen oder die Korrektur des Sehfehlers nicht gelingt. Alle sechs Monate sollten Sie eine Untersuchtung der Hornhaut vornehmen.
  • Die Kosten: Die Kosten der Anpassung liegen zwischen 250 und 350 €. Dazu kommen wie bei herkömmlichen Linsen auch die Kosten für die Pflegemittel (ca. 20 € pro Monat). Die Krankenkassen zahlen keinen Zuschuss. Sowohl Augenärzte als auch Augenoptiker passen die Linsen an. Die Haltbarkeit liegt zwischen ein und zwei Jahren.
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