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Hornhautimplantate - Wissenswertes über die reversible OP

Laserchirurgie am Auge© Jürgen Fälchle – Fotolia
  1. Hornhaut-Transplantate : So ist eine freie Durchsicht wieder möglich
  2. Das Kamra-Inlay
  3. Eine reversible Operation
  4. Augenärzte sehen Hornhautspenden in Gefahr
  5. Hornhautchirurgie: Vertreibt SMILE bald LASIK?

Hornhaut-Transplantate : So ist eine freie Durchsicht wieder möglich

Eine gesunde Hornhaut (das Fachwort lautet Cornea), die durchsichtige äußere Hülle Ihre Auges, ist größtenteils dafür verantwortlich, dass Sie scharf und klar sehen können.

Jeder Zustand, der die Durchsichtigkeit der Cornea mindert oder verzerrt, kann Ihr Sehvermögen schädigen – manchmal sogar schwerwiegend. Eine Therapieoption der Augenärzte ist die Transplantation einer Spender-Cornea.

In Deutschland wurden im Jahr 2002 genau 4.735 Cornea-Transplantationen durchgeführt (Statistik der Vereinigung der ophthalmologischen Lehrstuhlinhaber), die meisten davon bei älteren Erwachsenen. Mit einem Transplantat können viele der gängigen Hornhautschädigungen meist erfolgreich behandelt werden.

Eine getrübte Hornhaut wird ersetzt

Die Hornhaut des menschlichen Auges besteht aus 3 Schichten. Augenverletzungen, erbliche Veranlagung, Infektionen – sogar Komplikationen bei einer Grauen-Star-Operation – können dazu führen, dass eine oder mehrere dieser Schichten geschädigt werden.

Bei älteren Erwachsenen werden Hornhautprobleme im Allgemeinen durch Krankheiten oder Verletzungen verursacht. Dies führt dazu, dass sich die innerste Schicht der Cornea, das Endothelium, zurückbildet oder zerstört wird.

Die Zellen dieser Schicht arbeiten als Wasserpumpen und regulieren den Wassergehalt der mittleren Hornhautschicht, des Stromas. Wenn die Zellen des Endotheliums unterversorgt sind, können sie das überschüssige Wasser nicht mehr aus dem Stroma pumpen.

Dadurch schwillt die innerste Schicht der Cornea an und trübt sich ein. Diese Schwellung (Ödem) kann darin resultieren, dass die Hornhaut ihre Durchsichtigkeit verliert. Die Betroffenen können dann nur noch verschwommen sehen.

Das Hornhauttransplantat wird einem verstorbenen Spender entnommen. Es wird mittels eines speziellen Instrumentes, das einem runden Ausstechförmchen beim Plätzchenbacken ähnelt, aus der Cornea entnommen.

  • Bei der gängigsten Cornea-Transplantation – mit einem Transplantat, das alle Schichten der Hornhaut enthält (auch penetrierende Keratoplastik genannt) – werden alle 3 Hornhautschichten kreisförmig aus der Mitte des erkrankten Auges entfernt. Dann wird das Transplantat an genau dieser Stelle eingenäht.
  • Für eine Totaltransplantation aller Schichten verwenden die Augenärzte normalerweise nur eine örtliche Betäubung. Als Patient können Sie wahrscheinlich schon am selben Tag die Klinik wieder verlassen.
  • Falls Sie für beide Augen ein Transplantat brauchen, wird Ihr Augenarzt normalerweise mehrere Monate bis zu einem Jahr zwischen den beiden Eingriffen verstreichen lassen.

Sehr geringes Risiko von Reaktionen des Immunsystems

Die gesunde Cornea wird nur sehr gering oder gar nicht durchblutet und dadurch auch nicht durch das Blut mit Nährstoffen versorgt. Daher dauert die Wundheilung verständlicherweise länger.

Diese Isolierung vom Blutkreislauf allerdings auch Vorteile: Das Risiko, dass das Immunsystem auf das Hornhaut-Transplantat reagiert, ist im Vergleich zu anderen Organtransplantationen sehr gering.

Dennoch wird Ihnen Ihr Augenarzt nach der Operation wahrscheinlich steroidhaltige Augentropfen verordnen, die eine Immunreaktion verhindern helfen.

Bei den folgenden Anzeichen, die auf eine Immunreaktion hindeuten, sollten Sie sehr wachsam sein:

  • Schmerzen im Auge
  • Änderungen im Sehvermögen
  • zunehmende Rötung des Auges
  • Lichtempfindlichkeit

Älterer Mann hält seine Hand vors Auge© Robert Kneschke – Fotolia

Bei einer Immunreaktion ist eine schnelle Behandlung von entscheidender Bedeutung. Denn ohne Therapie kann das Immunsystem die Zellen des Endotheliums, der innersten Schicht der Cornea, zerstören.

Das kann zu Schwellungen führen und das Transplantat schädigen, sodass es eventuell ausgetauscht werden muss. Ihr Augenarzt könnte eine Immunreaktion dadurch bekämpfen, dass er Ihnen verordnet, die steroidhaltigen Augentropfen häufiger anzuwenden.

Meist kann bei frühzeitiger Anwendung schon allein diese Maßnahme die Abstoßungsreaktion stoppen. In den Wochen und Monaten nach der Operation wird Ihr Augenspezialist Ihnen wahrscheinlich empfehlen, einen Augenschutz beim Schlafen zu tragen.

Tagsüber müssen Sie dann möglicherweise eine Brille zum Schutz tragen. Unabhängig davon, wie gut Ihre Cornea verheilt, brauchen Sie für ein optimales Sehvermögen höchstwahrscheinlich eine Brille.

Das Kamra-Inlay

Auch wer in der Jugend die reinsten Adleraugen hatte, benötigt unter Umständen im Alter eine Sehhilfe. Neben Lesebrille und Kontaktlinsen existiert eine weitere Möglichkeit, die Sehschwäche auszugleichen: Die dünnen, halbsmondförmigen Hornhautimplantate aus Acryl schiebt man unter die Hornhaut des Auges. Sie verbessern die Sehkraft deutlich.

Weltweit tragen etwa 5.000 Menschen das Kamra-Inlay aus den USA. Vorläufige Studienergebnisse zeigen, dass die Implantate die Sehschärfe in den meisten Fällen verbessern.

Der Augenchirurg setzt die 3,8 Millimeter kleine und 0,005 Millimeter dünne Linse aus Kunststoff vor der Pupille in die Hornhaut des Auges ein. Dort wirkt sie wie eine Lochblende.

Durch die verkleinerte Öffnung verstärkt sich die Tiefenschärfe beim Sehen und eine Brille ist überflüssig. Da die Linse das Sehen in die Ferne geringfügig verschlechtert, setzen die Ärzte sie in das nicht-dominante Auge ein.

Dann wirkt das andere Auge ausgleichend. Das Hornhautimplantat hält ohne Naht und ist für den Träger nicht spürbar.

Eine reversible Operation

Kamra-Inlays eignen sich nicht für jeden Menschen. Da Weitsichtigkeit in der Regel im Alter auftritt, macht die Operation erst ab dem 50. Lebensjahr Sinn. Darüber hinaus muss eine gesunde, ausreichend dicke Hornhaut vorhanden sein.

Bei Überkorrektur oder Unverträglichkeiten entfernt man die Augenimplantate allerdings ohne Probleme wieder. In ersten Studien fand dies bei etwa 8 Prozent der Patienten statt. Bei den meisten dieser Patienten kehrte die Sehschärfe zum Ausgangswert vor der Operation zurück. Andere Korrekturen der Sehschärfe wie LASIK oder PRK gelten als irreversibel.

Der Chirurg setzt das Implantat bei örtlicher Betäubung in einer 15- bis 20-minütigen ambulanten Operation ein. Da es sich bei den Kamra-Inlays um ein relativ neues Verfahren handelt, sind Langzeitwirkungen bisher nicht bekannt.

Es empfiehlt sich aus dem Grund, weitere Studienergebnisse über diese neue Option abzuwarten. Die Operation zahlt der Patient selbst. Derzeit übernehmen die Krankenkassen die Kosten nicht.

Augenärzte sehen Hornhautspenden in Gefahr

Augenarzt untersucht Augen eines männlichen Patientens© WavebreakmediaMicro -Adobe

Vielen Patienten mit getrübter Hornhaut des Auges hilft nur noch eine Hornhautspende. Den Ärzte besteht die Möglichkeit, bis zu 72 Stunden nach dem Tod eines Organspenders die Hornhaut zu entnehmen.

Eine Regelung der Europäischen Union verschärft laut einer Mitteilung der Deutschen Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) die Knappheit von Transplantaten.

Demnach müssen die Ärzte das Blut des Spenders binnen 24 Stunden nach dem Tod entnehmen, um es auf Krankheiten zu untersuchen. Erfolgt die Blutentnahme später,dürfen sie das Körpergewebe nicht mehr verwenden.

Diese Vorgabe erhöht die Sicherheit der Hornhautempfänger kaum. Sie bedingt, dass Deutschland weiterhin Hornhauttransplantate vor allem aus den USA einführt. Daher fordert die DOG, Hornhautgewebe von der Regelung auszunehmen.

Über Jahrzehnte entnahmen Augenchirurgen die Transplantate bis zu 72 Stunden nach dem Tod eines Spenders. Dabei erfolgte eine Analyse des Spenderblutes auf Infektionen wie HIV oder Hepatitis B. Für die Lagerung der Gewebe sind spezielle Hornhautbanken zuständig.

Weltweit sind laut DOG nur zwei fragliche Hepatitis-B-Virus-Übertragungen bei Hornhauttransplantationen bekannt. Diese stammen aus einer Zeit, als man Spenderblut noch nicht auf Krankheiten testete. Seit dem Einsatz solcher Blutanalysen hörte man bei einer Hornhauttransplantation noch nichts von einer Übertragung von Hepatitis B oder HIV.

Trotzdem hat die EU eine Regelung erlassen, nach der die Ärzte bei allen Gewebespendern das Blut binnen 24 Stunden nach dem Tod entnehmen müssen. Die Entnahme der Hornhaut selbst darf weiterhin bis zu 72 Stunden nach dem Tod des Spenders erfolgen.

„Wir können hervorragende Hornhauttransplantate nicht mehr nutzen, wenn das Spenderblut nicht innerhalb von 24 Stunden nach dem Tod abgenommen wurde.“ Das sagt Professor Thomas Reinhard, Präsident der DOG und Ärztlicher Direktor der Universitäts-Augenklinik Freiburg.

Dieses Zeitfenster sei für die Abklärung einer Hornhautspende einschließlich des Gesprächs mit den Angehörigen in vielen Fällen zu kurz.

Hornhautchirurgie: Vertreibt SMILE bald LASIK?

Seit rund 20 Jahren sind Laser-Operationen an und unter der Oberfläche der menschlichen Hornhaut eine gängige Methode, Sehschwächen zu korrigieren. An ihre Grenzen stoßen solche Operationen allerdings, wenn das Auge deutlich über 10 Dioptrien, eine starke Hornhautverkrümmung oder eine sehr dünne Hornhaut hat.

Dann bedarf es echter Spezialisten. Jetzt macht eine neue Laser-Methode von sich reden, die Korrekturen nahezu unsichtbar unter der Oberfläche möglich macht, ohne vorher – wie bei der LASIK-Methode – eine Gewebe-Flappe (Epithel) abtragen zu müssen.

Bei der sogenannten ReLEx SMILE-Methode (Small-Incision Lenticule Extraction) wird das Gewebe zur Korrektur der Sehschwäche unter der Hornhaut-Oberfläche (Lentikel) entfernt und dann durch einen kleinen Zwei-Millimeter-Seitenkanal entfernt, der sich rasch wieder schließt.

Dadurch bleibt die Hornhaut an der Oberfläche nahezu unverletzt und erspart Folgewirkungen wie trockene Augen oder Kratzen im Anschluss an die Operation. Gelasert wird durch die Oberfläche hindurch, der entsprechende Laser wurde von der deutschen Carl Zeiss Meditec entwickelt.

Prof. Dan Reinstein, medizinischer Direktor der London Vision Clinic, international anerkannter Laser-Chirurg, operiert mittlerweile nahezu 80 Prozent mit der SMILE-Methode, je nach Beschaffenheit des jeweiligen Auges knapp 20 Prozent mit LASIK.

Reinstein nennt eine Reihe von Vorteilen: bessere Verträglichkeit für die Hornhaut und weniger trockene Augen, da die oberen Nervenpartien intakt bleiben. Darüber hinaus bleibt mit der neuen Methode das starke obere Stromagewebe unversehrt und die biomechanische Stärke der Hornhaut damit voll intakt.