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Grauer Star: Operation sorgt wieder für Durchblick

Claude Monet malte 1899 sein berühmtes Bild „Seerosen und japanische Brücke“. 16 Jahre später wollte der Künstler genau dieses Motiv noch einmal auf die Leinwand bannen. Doch jetzt war das ursprünglich in herrlichen Blau- und Grüntönen gehaltene Bild nur noch eine Ansammlung von braunen, verwaschenen Pinselstrichen. Monet war inzwischen an Grauem Star erkrankt – seine Augen konnten Umwelt und Farben nur noch undeutlich wahrnehmen.

Der Graue Star (Katarakt) ist weltweit die häufigste Erblindungsursache. In Deutschland wird etwa 700.000-mal pro Jahr eine eingetrübte Linse durch eine so genannte Intraokularlinse ausgetauscht. Keine zweite Operation wird hier zu Lande häufiger vorgenommen.

Diese Symptome deuten auf einen Grauen Star hin:

  • Gegenstände erscheinen matt
  • verschleiertes, verschwommenes Sehen
  • Einschränkungen beim Lesen
  • erhöhte Blendempfindlichkeit
  • die Umwelt wird überwiegend in Brauntönen wahrgenommen

Besonders wenn Sie Schwierigkeiten haben, entfernte Gegenstände scharf zu sehen, und im täglichen Leben darunter leiden, sollten Sie dringend zum Augenarzt gehen, um Ihre Sehfähigkeit überprüfen zu lassen.

Grelles Sonnenlicht ist riskant für Ihre Augen

Wenn der Graue Star erst einmal aufgetreten ist, gibt es bisher leider keine Therapie, um die Linsentrübung wieder rückgängig zu machen. Deshalb sollten Sie selbst alles tun, um Ihr Risiko für die Augenkrankheit zu senken. Meiden Sie beispielsweise zu starke Sonneneinstrahlung. Denn durch das Auftreffen der darin enthaltenen energiereichen UV-Strahlen entstehen in der Augenlinse hochaggressive Sauerstoffverbindungen, so genannte freie Radikale. Diese greifen Eiweißstoffe in der Linse an, und sie trübt sich ein. Tragen Sie deshalb bei Sonnenschein immer eine Sonnenbrille mit UV-Schutz. Die Gläser sollten über einen „Breitband-UV-400″-Schutz verfügen und ein CEQualitätssiegel tragen. Ideal ist außerdem ein seitlicher Schutz gegen schräg einfallende Strahlung.

Der Graue Star wird begünstigt durch:

  • starkes Sonnenlicht
  • Kortisonbehandlung
  • Rauchen
  • Diabetes
  • Vitaminmangel

Auch als Diabetiker haben Sie ein erhöhtes Risiko für eine Linsentrübung. Denn dann ist nicht nur im Blut der Glukose-Spiegel erhöht, sondern auch im Augenwasser. Der Zuckerstoff lagert sich in der Linse ein und bindet dort Flüssigkeit. Die Folge ist eine Linsenquellung – und Sie sehen alles verschwommen.

Mit Carotinoiden, den Vitaminen C und E beugen Sie vor

Unsere Augen versuchen sich vor schädlichem UV-Licht und den dadurch erzeugten freien Radikalen zu schützen, indem sie große Mengen an Antioxidantien wie Vitamin C und E oder Carotinoide (u. a. Lutein) einlagern.

Diese sind in der Lage, die aggressiven Substanzen abzufangen und zu neutralisieren. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihren Körper ausreichend mit diesen Nährstoffen versorgen. Das belegt auch eine Studie der Harvard-Universität in Boston/USA. Dort haben Wissenschaftler im Jahr 2008 das Essverhalten von 35.551 gesunden Frauen analysiert. Nach zehn Jahren litten 2.031 dieser Frauen an Grauem Star. Auffällig: Versuchsteilnehmerinnen, die sich ausreichend mit Vitamin E, Vitamin C oder Lutein ernährten, hatten ein bis zu 50 % geringeres Risiko, an Katarakt zu erkranken.

Um Ihr Risiko zu senken, sollten Sie daher täglich mindestens 100 mg Vitamin C aufnehmen. In 100 g Johannisbeeren sind beispielsweise 190 mg Vitamin C enthalten, in 100 g Paprika 140 mg und in 100 g Erdbeeren 65 mg. Außerdem ist es ratsam, dass Sie täglich mindestens 40 mg (60 I. E.) des fettlöslichen Vitamin E aufnehmen.

Ihren Tagesbedarf decken Sie beispielsweise mit 200 g Schwarzwurzeln, 15 ml Sonnenblumenöl, 150 g Vollkornbrot oder 150 g Studentenfutter mit Erdnüssen.

Das für den UV-Schutz wichtige Beta-Carotin ist z. B. in einem Glas Karottensaft enthalten. Die Antioxidantien Lutein und Zeaxanthin kommen vor allem in dunkelgrünem Gemüse vor. Essen Sie deshalb mindestens zweimal pro Woche Spinat oder Brokkoli. Wenn Sie wenig Obst und Gemüse verzehren, sollten Sie auf Vitalstoffpräparate zurückgreifen, z. B. Ocuvite®, Nobilin® oder benevit ® (in Apotheken und Drogerien, Tagestherapiekosten 0,30 bis 0,50 €; siehe Tabelle unten). Auch die Antioxidantien Acetylcystein (z. B. in ACC akut®) und der sekundäre Pflanzenstoff Quercetin (erhalten Sie in Apotheken und Versandhandel) wirken vorbeugend.

Nicht jede Kunstlinse ist für Sie ideal

Wenn die Linsentrübung eine Operation unumgänglich macht, sollten Sie sich nicht scheuen, diesen Eingriff auch tatsächlich vornehmen zu lassen. Dabei wird die Hornhaut des Auges durch einen kurzen Schnitt geöffnet und die getrübte Linse durch Ultraschall (schont das umliegende Gewebe) zerstört. Die Gewebetrümmer werden abgesaugt und dann die Kunststofflinse (Intraokularlinse, also eine Linse im Inneren des Auges, die Sie nicht wie eine Kontaktlinse wieder herausnehmen können) eingesetzt.

Sie besteht z. B. aus Plexiglas, Silikon oder Acryl. Der schmerzfreie Eingriff dauert nicht länger als 30 Minuten und wird meist ambulant unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Bei 99 % aller Patienten verläuft die Operation ohne Komplikationen. Die Linse ist sehr gut verträglich und hält normalerweise ein Leben lang. Je nach Ihren individuellen Bedürfnissen – etwa bei Kurzsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung – haben Sie die Wahl zwischen verschiedenen Arten von Kunstlinsen.

Diese Intraokularlinsen stehen zur Auswahl:

  • monofokal: bilden immer nur in einer Entfernung (Ferne oder Nähe) scharf ab
  • multifokal: Objekte in Ferne und Nähe werden scharf abgebildet
  • torisch: korrigieren zusätzlich Hornhautverkrümmungen
  • akkomodativ: ermöglichen eine übergangslose Scharfstellung auf Ferne und Nähe durch das Auge

Bei den heute standardmäßig eingesetzten monofokalen Linsen müssen Sie sich vor der Operation entscheiden, ob Sie später in die Nähe oder eher in die Ferne scharf sehen möchten. Denn sie können sich nicht auf verschiedene Entfernungen einstellen.

Lesen Sie beispielsweise viel oder beschäftigen Sie sich mit Handarbeit, so ist eine Linse für die Nähe geeignet (für die Ferne benötigen Sie dann eine Brille). Fahren Sie hingegen viel Auto, dann ist eine Linse für die Ferne für Sie optimal (plus Zusatzbrille für die Nähe). Multifokale Linsen haben hingegen zwei (bifokal) oder mehrere (multifokal) Brennpunkte. Dadurch können Sie ohne Brille sowohl nah als auch fern gut sehen, allerdings ist die Sehschärfe der monofokalen Linsen meist besser.

Leiden Sie außer am Grauen Star auch an einer Hornhautverkrümmung, helfen Ihnen die torischen Intraokularlinsen, die die Verkrümmungen ohne weitere Sehhilfen ausgleichen.

Die noch relativ neuen akkomodativen Linsen lassen sich vom Ringmuskel des Auges verformen, sodass Sie sowohl eine gute Nah- als auch Fernsicht haben. Allerdings ist dieser Linsentyp bei sehr starker Fehlsichtigkeit ungeeignet: Denn ihre Brechkraft reicht dann nicht aus, um den Sehfehler auszugleichen.

Die Kosten für die Operation werden normalerweise von den Krankenkassen übernommen. Beim Einsetzen einer akkomodativen oder torischen Linse müssen Sie allerdings 250 bis 500 € selbst zuzahlen.

Spätkomplikation Nachstar: Fast jeder Zweite ist betroffen

Eine häufige Komplikation der Kataraktoperation ist der so genannte „Nachstar“ (sekundärer Katarakt der drei bis fünf Jahre nach der Operation bei bis zu 50 % der Patienten auftritt. Hierbei beginnen restliche, nach der OP im Auge zurückgebliebene Zellen der alten Augenlinse zu wuchern und breiten sich auf der Rückseite der künstlichen Linse aus. Solche Wucherungen können zwar von Augenärzten mit Hilfe von Laserstrahlen zerstört werden. Doch dieser Eingriff birgt die Gefahr, dass es z. B. zu Netzhautablösungen kommt. Wie hoch das Risiko für einen Nachstar tatsächlich ist, hängt nicht zuletzt vom Geschick des Operateurs ab. Obwohl die OP mittlerweile Routine ist, sollten Sie sich daher nur in die Hände eines erfahrenen Augenchirurgen begeben. Erkundigen Sie sich vor der OP, wie viele solcher Eingriffe pro Jahr an der Klinik vorgenommen werden .

In der Regel können Sie nach einer Operation rasch wieder ein normales Leben führen und das völlig neue Sehgefühl richtig genießen.

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