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Bindehautentzündung - was Sie über die Augenerkrankung wissen sollten

Die Bindehautentzündung gilt als die am häufigsten auftretende Augenerkrankung. Sie macht sich durch Brennen und Jucken bemerkbar, vor allem aber durch das Gefühl, man hätte einen Fremdkörper im Auge.

Mediziner verstehen unter einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) eine Entzündung der Bindehaut des Auges, die durch die unterschiedlichsten Ursachen entstehen kann.

Auge einer Frau - Makroaufnahme© whatever

  1. Es gibt verschiedene Kategorien von Bindehautentzündungen
  2. Bindehautentzündung auch ohne Symptome möglich?
  3. Schützen Sie sich in der Familie
  4. Hygiene schränkt Weiterverbreitung ein
  5. Behandlung von Bindehautentzündungen
  6. Kortison oder Antibiotikum?

Es gibt verschiedene Kategorien von Bindehautentzündungen

Bindehautentzündungen mit mechanischer Ursache

  • einfache akute Bindehautentzündung (Conjunctivitis simplex acuta): Sie entsteht durch mechanische Reizung wie beispielsweise Staub oder Rauch.
  • knötchenförmige Bindehautentzündung (Conjunctivitis nodosa): Sie entsteht durch Insektenstacheln oder Raupenhaare.
  • trockene Bindehautentzündung (Keratoconjunctivitis sicca): Sie entsteht durch einen Mangel an Tränenflüssigkeit.
  • gigantopapilläre Konjunktivititis: Sie entsteht durch jahrelanges Tragen von Glasaugen oder weichen Kontaktlinsen.

Allergisch bedingte Bindehautentzündung

  • Conjunctivitis allergica
  • Conjunctivitis phlyctaenulosa et scrofulosa
  • Conjunctivitis vernalis

Tatsächlich kann eine Bindehautentzündung ein Symptom für eine Allergie sein. Es brauchen dann noch nicht einmal andere Merkmale wie Schnupfen oder eine juckende Nase vorhanden sein.

Das Problem an dieser Form der Allergie ist aber, dass sich schlecht unterscheiden lässt, was die Bindehautentzündung auslöst.

Daher wird Ihr Arzt Ihnen wahrscheinlich auch bei der Bindehautentzündung, die ein Allergiesymptom ist, erst einmal Medikamente verschreiben, die gegen die bakterielle oder durch Viren verursachte Erkrankungsform helfen.

Schlagen diese aber nicht an, kann man häufig davon ausgehen, dass die Beschwerden aufgrund einer Allergie vorhanden sind.

Bakterielle Bindehautentzündungen

  • Konjunktivitis durch unspezifische Kokken: verursacht durch kugelförmige Bakterien
  • Gonokokkenkonjunktivitis: verursacht durch den Erreger der Gonorrhoe
  • Conjunctivitis diphterica: verursacht durch den Erreger der Diphterie
  • Trachom (Conjunktivitis granulosa): verursacht durch Chalmydia trachomatis
  • Einschlusskörperchenkonjunktivitis (Paratrachom): verursacht durch Chalmydia trachomatis

Virale Bindehautentzündungen

Eine Vielzahl viraler Kinderkrankheiten wie beispielsweise Masern oder Windpocken lösen eine begleitende virale Bindehautentzündung aus. Diese verlaufen jedoch in der Regel mild und werden durch eine Behandlung der Grunderkrankung geheilt.

Die Keratoconjunctivitis epidemica ist jedoch eine hochansteckende Variante der Bindehautentzündung. Diese grassiert von Zeit zu Zeit und ist meldepflichtig.

Diese hochansteckende Variante wird durch Adenoviren verursacht. Sie können bei Zimmertemperatur wochenlang überleben, wie Augenärzte der Charité Berlin herausgefunden haben.

Die Keratoconjunctivitis epidemica wird meist durch Tröpfchen oder Schmierinfektion übertragen. Sie tritt oft dort auf, wo sich viele Menschen auf engstem Raum aufhalten, also vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen wie Büros oder Fitnessstudios.

Es dauert fünf bis zwölf Tage nach der Ansteckung, bis die ersten Symptome auftauchen. In dieser Zeit ist die Ansteckungsgefahr am höchsten.

Die Symptome gleichen der „normalen“ Bindehautentzündung, die sich durch Brennen und Jucken bemerkbar macht. Meist sind die Lymphdrüsen an Ohr oder Unterkiefer geschwollen.

Die Entzündung klingt zwei bis vier Wochen nach dem Ausbruch auch ohne Behandlung wieder ab. In der akuten Phase werden zunächst lokale Antibiotika eingesetzt, um eine bakterielle Superinfektion zu vermeiden.

Kalte Kompressen und Tränenersatzmittel lindern die Beschwerden. Dann kommen Ciclosporin-A-Augentropfen (2%, viermal täglich) zum Einsatz. Diese Therapie geht über Monate und muss sehr langsam ausgeschlichen werden.

Um zu vermeiden, dass sich diese Erkrankung epidemisch ausbreitet, ist äußerste Hygiene vonnöten.

Die Übertragungswege sind unter anderem mit ansteckenden Keimen besiedelte Hände, Türklinken, Instrumente in Praxen und Kliniken, Tropfpipetten und Augenlösungen, Gemeinschaftshandtücher und Schwimmbadwasser.

Bindehautentzündungen durch Parasiten

  • Loiasis: verursacht durch den Fadenwurm Loa Loa
  • Ophthalmomyiasis: verursacht durch Fliegeneier
Darüberhinaus gibt es Bindehautentzündungen, die durch Pilze ausgelöst werden.

Frau nimmt Augentropfen© Reinhold Foeger – Fotolia

Bindehautentzündung auch ohne Symptome möglich?

Eine Bindehautentzündung kann hoch ansteckend sein. Daher ist es auch so wichtig, sie frühzeitig zu erkennen. Aber kann sie sich auch recht harmlos äußern, vielleicht nur durch Krusten am Morgen direkt nach dem Aufwachen, aber ohne Rötungen und Juckreiz?

Es gibt tatsächlich auch solche Erkrankungsfälle, in denen die typischen Anzeichen einer Bindehautentzündung fehlen.

Diese treten aber selten auf; im Grunde nur, wenn die Betroffenen an Nervenkrankheiten oder Gefühlsstörungen leiden. Dann kommt es nicht zum eigentlich üblichen Jucken oder Brennen.

In allen anderen Fällen fehlen diese Symptome nicht. Leiden Sie morgens unter Verkrustungen oder Schlieren am bzw. im Auge, weist dies eher darauf hin, dass die Tränenflüssigkeit nachts nicht abgelaufen ist.

Dies ist völlig harmlos. Wenn Sie tagsüber vermehrt unter tränenden Augen leiden, die Tränen sogar ohne Anlass über Ihre Wangen laufen, sollten Sie Ihren Tränenabflusskanal spülen lassen. Dieser ist dann häufig verstopft.

Schützen Sie sich in der Familie

Kindere bringen die Erkrankung gerne einmal aus dem Kindergarten mit. Wie aber können sich die restlichen Familienmitglieder in diesem Fall vor einer Ansteckung schützen?

Im Erkrankungsfall sollten die Familienmitglieder untereinander auf engen Körperkontakt verzichten. Dies ist neben mangelnder Hygiene einer der Hauptinfektionsgründe.

Dementsprechend ist häufiges Händewaschen ebenfalls Pflicht, mindestens nach jedem Kontakt mit dem betroffenen Auge.

Auch sollten Sie darauf achten, dass Sie Handtücher und Waschlappen nicht untereinander wechseln oder verwechseln. Waschen Sie diese auf jeden Fall bei 60 Grad.

Vermeiden sollten Sie darüber hinaus, das Auge mit einem Tuch zu reinigen, das Sie für den nächsten Einsatz in der Hosentasche aufbewahren, egal ob dieses aus Papier oder aus Stoff ist. Sie verschleppen sonst die Erreger immer weiter.

Hygiene schränkt Weiterverbreitung ein

Eine Impfung gegen diese Krankheit gibt es nicht, umso wichtiger sind Hygienemaßnahmen, vor allem wenn Sie erkrankt sind oder eine Erkrankung vermuten bzw. wenn Familienmitglieder erkrankt sind:

  • Fassen Sie sich nicht an die Augen. Das erfordert Disziplin; immerhin tun wir dies pro Tag durchschnittlich 14-mal.
  • Waschen Sie sich die Hände gründlich. Gerade wenn Sie erkrankt sind, waschen Sie sie nach jedem Augenkontakt.
  • Meiden Sie Schwimmbäder und Saunen.
  • Werfen Sie Papiertaschentücher und Kosmetiktücher sofort in den Hausmüll, nicht in den normalen Papierkorb.
  • Teilen Sie Kosmetikartikel nicht mit anderen.
  • Teilen Sie keine Gegenstände mit anderen Menschen, die mit den Augen in Berührung kommen, zum Beispiel Lesebrillen, Ferngläser, Kameras oder ähnliches.
  • Wollen Sie ein Desinfektionsmittel kaufen, lassen Sie sich in der Apotheke oder vom Augenarzt beraten. Denn nicht alle Desinfektionsmittel wirken gegen die Erreger.
  • Sind Sie erkrankt und wollen Sie zum Augenarzt, rufen Sie vorher an und schildern Sie Ihren Verdacht auf Augengrippe. So kann man sich in der Praxis darauf einstellen und so das Ansteckungsrisiko für andere Patienten minimieren.

Behandlung von Bindehautentzündungen

Die Wahl des Heilverfahrens hängt selbstverständlich von der Ursache der Erkrankung ab: Die Möglichkeiten reichen von einer Behandlung der Grunderkrankung über die Anwendung von antibiotischen Augentropfen und Salben.

Wenn ein Parasit die Bindehautentzündung verursacht, entfernt ihn der Arzt operativ. Bei einer allergischen Ursache raten Mediziner dazu, das Allergen zu vermeiden.

Des Weiteren empfehlen sie, mechanische Reizungen wie Staub und Zugluft sowie starke Sonneneinstrahlung auf ein Minimum zu reduzieren.

Das homöopathische Mittel Euphrasia hat sich bei Bindehautentzündungen und verscheidenen anderen Augenbeschwerden, als sehr hilfreich erwiesen.

Bindehautentzündungen benötigen nicht immer sofort eine Behandlung mit einem Antibiotikum.

Nach einer Studie der Universität Southampton reicht es vielfach aus abzuwarten, ob die Beschwerden nicht von selbst wieder zurückgehen. Das berichtete das British Medical Journal im September 2006.

Geben Sie Ihrem Körper eine Chance!

Bakterien oder Viren lösen eine Bindehautentzündung etwa gleich häufig aus. Wenn Sie wegen einer entzündeten Bindehaut zum Arzt gehen, verschreibt er Ihnen in der Regel Antibiotika-Tropfen, obwohl diese gegen Viren wirkungslos sind.

In der Studie teilten die britischen Forscher mehr als 300 Patienten in zwei Gruppen ein. Gruppe 1 erhielt sofort ein Antibiotikum, Gruppe 2 sollte vor der Antibiotika-Therapie erst drei Tage den Verlauf der Erkrankung abwarten. Das Ergebnis: In beiden Gruppen klang die Entzündung im Schnitt nach 3,5 Tagen ab.

Warten Sie erst ab, wie sich die Entzündung entwickelt. Wenn sich nach drei Tagen keine Besserung einstellt, können Sie immer noch auf ein Antibiotikum zurückgreifen.

Der Vorteil: Ohne Antibiotika geben Sie Ihrem Immunsystem die Chance, selbst mit dem Erreger fertig zu werden. Auf diese Weise stärken Sie die Abwehrkräfte gegen weitere Bindehautentzündungen.

Spülungen und Kompressen lindern Reizungen

Grundsätzlich sollten Sie nur leichte akute Augenbeschwerden selbst behandeln. Dazu zählen beispielsweise eine Bindehautreizung durch Überarbeitung (z. B. zu langes Lesen, Handarbeit oder Arbeit am PC) sowie leichte Augenprellungen durch einen Ast, wie sie beim Wandern oder bei der Gartenarbeit häufiger vorkommen.

Darüber hinaus eignen sich Gerstenkörner für die Eigenbehandlung. Bei allen anderen akuten Beschwerden und Augenverletzungen sollten Sie unbedingt unverzüglich einen Augenarzt aufsuchen.

Homöopathische Mittel zur Behandlung von Augenprellungen

  • Ledum D 6: bei Augenprellungen z. B. durch einen Ast; Wärme verschlimmert und Kälte (Kompresse) bessert den Schmerz
  • Symphytum D 6 (Beinwell): bei Augenprellungen mit Bluterguss (Veilchen) z. B. durch einen Tennisball

Lassen Sie zunächst jede halbe Stunde je fünf Streukügelchen unter der Zunge zergehen, bis die Beschwerden nachlassen, maximal sechsmal hintereinander. Danach nehmen Sie dreimal täglich fünf Kügelchen.

Globuli© flashpics – Fotolia

Spülung mit Augentrost und Fenchel

Mischen Sie 25 g getrockneten Augentrost und 10 g zerstoßenen Fenchelsamen. Übergießen Sie zwei Teelöffel davon mit einem halben Liter kochendem Wasser und lassen Sie den Auszug 15 Minuten ziehen, bevor Sie ihn abseihen.

Geben Sie einige Körnchen Salz in die Lösung, sodass sie leicht salzig wie Tränenflüssigkeit schmeckt, und lassen Sie sie auf Körpertemperatur abkühlen. Spülen Sie Ihre Augen mithilfe einer Augenbadewanne.

Verwenden Sie zur Zubereitung von Augenspülungen abgekochtes Wasser und schütten Sie die Spüllösung nach einmaligem Gebrauch sofort weg, um Infektionen zu vermeiden.

Bei Gerstenkörnern empfehlen sich Augenkompressen aus diesem Augentrost-Fenchel-Tee.

Kortison oder Antibiotikum?

Um eine Bindehautentzündung zu behandeln, gibt es verschiedene schulmedizinische Möglichkeiten, wie beispielsweise Medikamente. Wie aber werden diese ausgewählt? Wonach entscheidet sich vor allem, ob der Arzt Augentropfen mit oder ohne Kortison verordnet?

Bei einer bakteriellen Infektion der Bindehaut werden in der akuten Phase häufig zunächstlokale Antibiotika in Form von Augentropfen oder Salbe eingesetzt, um die Krankheitserreger abzutöten. Wichtig ist dabei, dass die Medikamente nicht zu früh abgesetzt werden.

Ist die Bindehautentzündung durch Viren bedingt, kann man im Fall von Herpesviren den Wirkstoff Aciclovir einsetzen. Bei anderen Viren gibt es oftmals keine gesonderte Therapie und man kann lediglich die Symptome durch kalte Kompressen und Tränenersatzmittel lindern.

Bei jeder Form der Bindehautentzündung sollten Kontaktlinsen erst nach Absprache mit dem Augenarzt wieder getragen werden.

Wenn eine Bindehautentzündung vorliegt, die durch Bakterien oder Viren ausgelöst wurde, dann wird ein Medikament mit Kortison erst einmal nicht eingesetzt werden. Vielmehr erhalten Sie ein Antibiotikum, wenn die Erkrankung durch Bakterien verursacht wurde.

Handelt es sich um eine virale Entzündung, werden Sie mit einem Medikament behandelt, das gegen Viren wirkt (Virostatikum). Danach kann es dann sinnvoll sein, noch kortisonhaltige Augentropfen einzusetzen.

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