Arzneipflanze des Jahres 2010 gekürt: der segensreiche Efeu
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell zum Thema Efeu
vom 21. Januar 2010, 06:00 Uhr
GNL5356
Wahrzeichen ewigen Lebens, Sinnbild der Treue und nun auch noch „Arzneipflanze des Jahres": Dem Gemeinen Efeu (Hedera helix) wird mit der Auszeichnung Arzeneipflanze des Jahres 2010 eine verdiente Ehre zuteil. Denn seine pharmakologische Wirkung bei chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen und akuten Entzündungen der Atemwege ist in klinischen Studien besonders gut belegt. Deswegen wollen wir uns dem Efeu auch einmal ausführlich widmen.
Zu diesem Ergebnis kam der "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" an der Universität Würzburg. Seit 1999 wählt dieser Zusammenschluss aus Ärzten, Biologen, Apothekern und Medizinhistorikern jährlich eine Arzneipflanze, um der Öffentlichkeit ihre Bedeutung in der Pharmakologie näher zu bringen.
Trotz seiner weiten Verbreitung ahnen viele Menschen nichts von der langen, medizinhistorischen Tradition des Efeus. So beliebt er als immergrüne Kletterpflanze und natürlicher Sichtschutz im Garten ist, so häufig unterschätzt wird immer noch sein therapeutisches Potenzial. Dabei wurden seine Blätter und Beeren bereits in der Antike zu Schmerzmitteln und Brandsalben verarbeitet. Heute weiß man: Die wirksamen Inhaltsstoffe des Efeus stecken hauptsächlich in den Blättern. Man nennt sie Saponine (von lat. „sapo" = Seife), weil sie in Wasser gelöst schäumen.
Studien der Universität Bonn zufolge, regt insbesondere das Saponin alpha-Hederin die Bildung von Stoffen an, die zähen Schleim verflüssigen. So fällt das Abhusten und Durchatmen leichter, der Hustenreiz geht zurück und die Bronchien können entkrampfen. Bei Asthma kann Efeu, unterstützend verabreicht, Atemnot und Hustenanfälle lindern. Zudem hemmen die Saponine das Wachstum von Viren und Bakterien.
Zur Wirkstoffgewinnung werden die getrockneten Efeublätter zunächst mit einem Gemisch aus Wasser und Alkohol gespült, um die Inhaltsstoffe herauszulösen. Anschließend wird der Alkohol entzogen und das verbleibende Konzentrat getrocknet. Dieser Trockenextrakt wird dann so zu hochwertigen Präparaten weiterverarbeitet, dass der Anteil an Inhaltsstoffen stets gleich bleibt.
Bei allen positiven Eigenschaften des Efeus ist zu bedenken, dass sämtliche Pflanzenteile giftig sind. Vor allem bei Kindern kann der Verzehr von Beeren und Blättern schon in geringsten Mengen zu Durchfall und Krämpfen führen. Beim Beschneiden der Pflanze im Garten empfehlen sich Handschuhe, weil der Pflanzensaft starke Hautausschläge verursachen kann. Es sollten also nur pflanzliche Fertigpräparate aus der Apotheke zur Anwendung kommen.
Bleiben Sie natürlich gesund!
Ihre Sylvia Schneider