Art der Beikosteinführung entscheidet über späteres Übergewicht-Risiko
Dr. Martina Hahn-Hübner in Täglich Gesund
vom 8. Februar 2012, 16:00 Uhr
GNL5356
Der erste Bissen ist entscheidend - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn bei Babys, so haben britische Wissenschaftler nun herausgefunden, werden schon mit den ersten Speisen nach dem Fläschchen oder dem Stillen die Grundlagen gelegt, wie groß das Risiko für Übergewicht im späteren Leben ist.
Geht es nach den Wissenschaftlern, sollte das babygeführte Abstillen, wie es auch die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, Standard werden und die Beikosteinführung mit Brei ablösen. Beim babygeführten Abstillen bekommt das Baby zusätzlich zur Muttermilch oder zum Fläschchen immer wieder feste Nahrung. Auch ohne Zähne können Babys diese weich kauen und essen. Brot, aber auch Obst- und Gemüsestückchen stehen für diese Kinder auf dem Speiseplan. Nach und nach essen die Babys immer mehr feste Nahrung. Ihr Verlangen nach Milchmahlzeiten wird immer geringer, sie stillen sich nach und nach selbst ab.
Die britischen Forscher interessierten sich dafür, wie genau sich diese Art der Beikosteinführung auf die Kinder auswirkt und wie sich so ernährte Kinder später von Kindern unterscheiden, die „klassisch" Brei zur Beikosteinführung erhielten. Dazu wurden über 150 Kinder zwischen 1,5 und 6 Jahren untersucht. Die Mütter wurden befragt, welche Ernährung die Kinder als erstes bekommen hatten. 63 der kleinen Studienteilnehmer bekamen Brei bzw. pürierte Kost. Die anderen 92 Kinder wurden babygeführt abgestillt. Schon mit 6 Monaten erhielten sie feste Nahrung zum Kauen.
Das Ergebnis: Die Kinder, die die festen Stücke erhalten hatten, hatten einen deutlich geringeren Body-Mass-Index als Kinder, die Brei und pürierte Kost bekamen. Der Grund dafür zeigte sich auch noch Jahre nach der ersten Mahlzeit. Kinder, die früh Stückchen zum Knabbern und Kauen in die Hand bekamen, interessierten sich eher für Lebensmittel, die viel Stärke enthielten und somit in der Regel gesünder sind. Kinder, die mit Brei begonnen hatten, bevorzugten eher süße und damit deutlich ungesundere Lebensmittel.
Wenn sich diese Erkenntnis auch in größeren Studien bestätigt, dann, so die Meinung der Forscher, sollten die Empfehlungen zur Babyernährung der WHO deutlicher verbreitet werden. Sie können dazu beitragen, dass Übergewicht, das in westlichen Ländern vorherrscht, bereits an einer der Wurzeln bekämpft werden kann - nämlich wenn mit der Babynahrung schon die Grundlagen fürs spätere Essverhalten gelegt werden.