Anthroposophische Medizin: Diese ganzheitliche Therapie bringt Seele, Geist und Körper wieder in Einklang
Täglich Gesund zum Thema Anthroposophische Medizin
vom 17.05.2004 16:00 Uhr
GNL5356
Die anthroposophische Medizin ist ein Teilbereich der 1912 von dem österreichischen Philosophen Dr. Rudolf Steiner begründeten Anthroposophie (griech. = Menschenkunde). Steiners Lehre ist im Grunde eine Weltanschauung, die sich auf alle Bereiche des Lebens bezieht. Besonders aber die anthroposophische Heilkunst gewinnt in den letzten Jahren immer mehr an Beliebtheit. Warum diese ganzheitliche und vielseitige Therapierichtung Ihnen nicht nur bei schweren chronischen Erkrankungen wirksame Hilfe bieten kann, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Nach Ansicht der Anthroposophie entstehen Krankheiten durch ein gestörtes Gleichgewicht zwischen Körper, Geist, Seele und Umwelt. Die Behandlung zielt daher darauf ab, durch Stärkung der körpereigenen Selbstheilungskräfte die ursprüngliche Harmonie zwischen diesen vier Faktoren wiederherzustellen.
Besonders hilfreich ist die anthroposophische Medizin bei:
- akuten grippalen Infekten
- Asthma
- Hauterkrankungen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Rheuma
- Krebs
- Schlafstörungen
Mit ihrem ganzheitlichen Ansatz steht die anthroposophische Medizin in enger Beziehung zur Naturheilkunde, Homöopathie und auch zur Psychosomatik. Sie versteht sich aber nicht als Alternativmedizin, sondern als Ergänzung der modernen naturwissenschaftlich orientierten Medizin. So erfolgt die Ausbildung zum Arzt für anthroposophische Medizin erst nach einem abgeschlossenen klassischen Medizinstudium.
Zur anthroposophischen Therapie gehören:
- anthroposophische Medikamente (z. B. von Wala und Weleda)
- vorwiegend vegetarische Ernährung mit viel Rohkost und Demeterpraktiken
- rhythmische Massagen und Einreibungen
- künstlerische Therapien
- Gesprächstherapie und Biografiearbeit
Am Anfang der Therapie steht ein ausführliches Erstgespräch, das auch Ihren Lebenslauf sowie Ihr soziales Umfeld erfasst und die Grundlage für eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihrem Arzt bilden soll.
Die bekannteste Heilpflanze der anthroposophischen Medizin ist die Mistel. Sie trägt nachgewiesenermaßen zu einer Tumorrückbildung bei, steigert Ihren Appetit, stärkt Ihre Energie und seelische Verfassung, lindert Schmerzen und lässt Sie auch die Nebenwirkungen einer Chemotherapie besser vertragen. Daher ist die Misteltherapie in Deutschland zu einer biologischen Standardtherapie in der Krebsnachsorge geworden.
Die künstlerische Betätigung soll die Einheit von Geist, Körper und Seele wiederherstellen und Ihren Blick nach vorn richten. Die Palette der angebotenen Kunsttherapien ist groß: Sie reicht von der Heileurythmie, einer Art Bewegungs- und Tanztherapie, über therapeutisches Malen und Gestalten bis hin zur Musiktherapie und Sprachgestaltung mit gemeinschaftlichem Theaterspiel. Als anthroposophische Psychotherapie könnte man die Gesprächstherapie und die Biografiearbeit bezeichnen. In vertrauensvoller Atmosphäre soll dabei Belastendes aus der Vergangenheit abgestreift werden, um neue Lebensziele zu entwickeln.
Mit ihrer ganzheitlichen Sicht des Menschen gibt diese Heilweise vielen Patienten neue Kraft und Lebensmut. Besonders Schwer- oder Langzeitkranke nehmen sie gern in Anspruch. Neben den niedergelassenen Haus- und Fachärzten gibt es auch besondere ambulante Zentren (Therapeutikum), in denen sich anthroposophische Ärzte mit Pflegekräften, Physio-, Psycho- und Kunsttherapeuten zusammengeschlossen haben, sowie einige anthroposophische Kliniken. Allerdings werden nur bestimmte Teilbereiche wie z. B. die Misteltherapie sowie etliche Wala- und Weleda-Präparate von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Die meisten anderen Therapien müssen Sie selbst tragen. Mehr zum Thema lesen Sie auch hier: