Anämie ist oft eine hausgemachte Krankheit
unserer Amerika-Korrespondentin Jenny Thompson in Täglich Gesund zum Thema Anämie
vom 19.11.2003 16:00 Uhr
GNL5356
Mit der Anämie oder auch Blutarmut sollten sich all diejenigen von Ihnen auseinandersetzen, die über 50 Jahre alt sind; besonders dann, wenn Sie rezeptflichtige Medikamente einnehmen. Denn viele der meistverkauften Medikamente haben eine Nebenwirkung, die Sie nicht auf dem Beipackzettel finden: Sie verschlechtern die Aufnahmefähigkeit von wichtigen Vitaminen und Nährstoffen.
Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff von den Lungen zu den Geweben überall im Körper. Anämie tritt auf, wenn die roten Blutkörperchen erschöpft sind, was sich dann durch Müdigkeit, Schwäche und im Extremfall sogar durch Haarausfall bemerkbar macht. Die beiden häufigsten Gründe für Anämie sind Eisenmangel (oft ausgelöst durch die Menstruation oder durch innere Blutungen) und ein Defizit zweier wichtiger Vitamine: Folsäure und Vitamin B12. Gerade für ältere Menschen ist es sehr wichtig, dass die Versorgung mit diesen beiden Vitaminen stimmt, denn mit dem Alter nimmt die Fähigkeit, Vitamine aus der Nahrung ausnehmen zu können, ab. Demzufolge steigt das Risiko, an Anämie zu erkranken.
Unglücklicherweise ist dieses Vitaminaufnahmeproblem nur das erste in einer Reihe von Ereignissen, die sich zu einem Gesundheitsproblem aufaddieren, das weitaus schwerwiegender ist als Erschöpfungserscheinungen.
Vermeiden Sie Über-Medikation
Wir wissen mittlerweile, dass es viele Medikamente gibt, die die Aufnahme von Nährstoffen verhindern. So sind zum Beispiel Arzneimittel, die die übermäßige Bildung von Magensäure unterbinden, verantwortlich an einer reduzierten Aufnahme von Vitamin B 12, einem wichtigen Vitamin, dass unser Körper braucht, um die Anämie zu vermeiden.
Andere Medikamente, die eine große Rolle bei der Verringerung von Vitaminen und Nährstoffen spielen, gehören zu den meistverkauften Arzneimitteln. Antibiotika, Anti-Depressiva, Blutdrucksenker, Cholesterinsenker, Östrogene und Beruhigungsmittel kiönnen dem Körper Vitamine und Nährstoffe entziehen. Und wenn diese Medikamente kombiniert werden, steigt gerade bei älteren Menschen das Risiko der Anämie.
Und mittlerweile scheint es so, als schritte dieser Effekt schneller voran als je zuvor. Eine Studie vom Beginn diesen Jahres wartet mit einem schockierenden Ergebnis auf: Der durchschnittliche Patient über 50 Jahre erhält 25 Rezepte pro Jahr – doppelt so viele wie noch vor vier Jahren! Die Über-Medikation ist alarmierend hoch und zwei Probleme könnten zu einer großen Gesundheitsbedrohung werden: 1. die übermäßige Medikamenten-Einnahme verursacht bedrohliche Nebenwirkungen (und nicht wenige Ärzte bekämpfen Nebenwirkungen eines Medikaments mit einem weiteren Medikament) 2. dieser Medikamenten-Cocktail raubt den Patienten viele wichtige Vitamine, die sie gerade dann brauchen, wenn sie gegen eine Krankheit kämpfen.
Aber es kommt noch schlimmer: Viele Ärzte behandeln so viele ältere Menschen mit Blutarmut, dass sie diese Krankheit mittlerweile als eine normale Form des Älterwerdens betrachten. Daher wird Anämie in vielen Fällen nicht mehr behandelt. Das ist ein schwerwiegender Fehler, denn Untersuchungen haben gezeigt, dass Anämie das Todesrisiko bei chronischen Herzproblemen stark ansteigen lässt. Zudem kann Anämie auch Krebs auslösen.
Anämie wird einfach durch einen Bluttest diagnostiziert; also fragen Sie Ihren Arzt bei Ihrer nächsten Untersuchung danach – besonders, wenn Sie sich unerklärlich müde fühlen. Wenn Sie unter Blutarmut leiden, sollten Sie im nächsten Schritt den Grund dafür herausfinden. Wenn Ihr Arzt die Risiken von Anämie herunterspielt oder Ihnen sofort ein Medikament verschreiben will, sollten Sie eine zweite Meinung einholen.
Um Anämie zu behandeln, können Sie mit der richtigen Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln nichts falsch machen. Hohe Dosen Vitamin B12 und Folsäure sind sicherlich hilfreich, nicht immer ist ein Eisenpräparat angebracht. Denn eine gesunde Ernährung, ab und zu Fleisch, Fisch und Hühnerleber reichen absolut aus, Ihren Körper ausreichend mit Eisen zu versorgen.
Und zu guter Letzt tun Sie Ihrem Körper und Ihren roten Blutkörperchen einen großen Gefallen, wenn Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen, ob Sie nicht mehr notwendige Medikamente weiterhin einnehmen müssen.
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