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Ist Silberwasser ein Wundermittel oder nur Geschäftemacherei?

Wenn man den Versprechungen der Hersteller glaubt, muss kolloidales Silber ein wahres Wundermittel sein. Es wird als natürliches Antibiotikum angepriesen, das Sie selbst dosieren können, ganz gleich unter welcher Krankheit Sie leiden. Das Beste an diesem Mittel: Angeblich hat es keine Nebenwirkungen.

Leider aber sieht die Realität anders aus. Wir erklären Ihnen, warum wir Ihnen kolloidales Silber nicht empfehlen können. Sie erfahren aber auch, wann eine Therapie mit Silberionen, die nichts mit kolloidalem Silber zu tun haben, sinnvoll ist.

Silberwasser© rangizzz - Fotolia

Hersteller, die kolloidales Silber anbieten, loben es in den höchsten Tönen. Dieses Wundermittel scheint wirklich unglaublich zu sein. Immerhin soll es gegen alle Arten von Keimen wirken, ganz gleich ob es sich dabei um Bakterien, Viren, Pilze oder andere Krankheitserreger handelt.

Aber nicht nur das: Es soll die entsprechenden Keime auch innerhalb von maximal vier Minuten abtöten. Dabei kann es aber durchaus zwischen Gut und Böse unterscheiden: Körperzellen, aber auch die wichtigen Darmparasiten sollen nicht abgetötet werden.Erfolgreich habe sich kolloidales Silber in vielen Bereichen erwiesen. So helfe es bei Allergien, bei Mückenstichen und Schnupfen genauso gut wie bei einer Blutvergiftung oder einer Hirnhaut­entzündung.

Versprochene Wirkungen lassen sich nicht nachweisen

Eine Frage stellt sich mir: Wenn so ein Mittel tatsächlich existiert, das so viele verschiedene Krankheiten in Minutenschnelle heilen kann, müsste es doch eigentlich schon fester Bestandteil der Medizin sein, oder? Sie ahnen sicherlich schon, dass die versprochenen Wirkungen des kolloidalen Silbers so nicht zutreffen.

Sie sind nicht belegbar; bisher konnte in keiner Studie nachgewiesen werden, dass kolloidales Silber tatsächlich gegen 650 verschiedene Krankheitserreger wirkt, wie behauptet wird. In der Tat ist es noch nicht einmal gelungen nachzuweisen, dass die Silberflüssigkeit gegen einen einzelnen Erreger wirkt.

Auch die Aussage, dass kolloidales Silber Antibiotika überflüssig macht und so Bakterienresistenzen vorbeugt, ist schlichtweg aus der Luft gegriffen.

Hüten Sie sich vor den gravierenden ­Nebenwirkungen

Darüber hinaus kann kolloidales Silber sogar gefährlich für Sie werden. Die Hersteller versprechen Ihnen, dass Sie ein Mittel erwerben, das keine Nebenwirkungen enthält und keine Beschwerden auslöst. Ganz im Gegenteil, es soll Ihr Immunsystem stärken und kräftigen.

Die Realität sieht jedoch anders aus. In Australien warnen offizielle Stellen vor den Nebenwirkungen. Hier ist es zu Silbervergiftungen aufgrund von eigenhändig hergestellten Lösungen gekommen. Das kolloidale Silber lagert sich auf Dauer im Körper an. Es kommt nicht nur zu einer Grauverfärbung der Haut, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann – vielmehr löst das kolloidale Silber auch Leber- und Herzmuskelschädigungen aus.

Weitere Nebenwirkungen sind Krampf­anfälle, Geschmacksstörungen, aber auch Fehlbildungen bei neugeborenen Babys, wenn das ­Silberwasser während der Schwangerschaft eingenommen wird.Das sind Gründe genug, weshalb ich Ihnen kolloidales Silber nicht empfehlen kann.

So kann Silber Ihrer ­Gesundheit helfen

Doch Silber ist nicht gleich Silber. Bekannt ist zum Beispiel Fissan Silberpuder. Er wurde früher zur Nabelpflege bei Säuglingen eingesetzt. Dieses Produkt, das es heute noch in der Apotheke zu kaufen gibt, ist auch sehr hilfreich zur Versorgung von Wunden. Grund dafür ist die Struktur des enthaltenen Silbers.

Im Gegensatz zum kolloidalen Silber handelt es sich hier nicht um winzige Silberpartikel, sondern um Silber, das in Schichten vorliegt. Dessen Oberfläche ist mit Silberionen beschichtet, die sich nach und nach ablösen. Diese Ionen wirken sich auf den Stoffwechsel der Bakterien aus, stoppen deren Energieversorgung und die Eiweiß- produktion.

Dadurch sterben die Bakterien ab.Schaden kann Ihnen diese Form von Silber, die es übrigens auch in Salbenform gibt, nicht. Die Silber­ionen binden sich an den im ­Körper enthaltenen Schwefel und werden dadurch einfach ausgeschieden.

So schützen Silberionen bei Hauterkrankungen

Silber hat sich ebenfalls als hilfreich erwiesen, wenn es um die Therapie von Neurodermitis-Patienten geht. Die offenen Hautstellen von Neurodermitikern werden häufig von Bakterien befallen, die dann Entzündungen auslösen. Das Silber hilft hier, Infektionen der Haut zu verhindern.

Studien haben gezeigt, dass sich bei Patienten, deren betroffene Haut mit silberbeschichtetem Stoff umwickelt wurde, die Besiedelung mit Bakterien um die Hälfte reduzierte.

Als Neurodermitis-Patient müssen Sie aber nicht Ihre Haut mühsam umwickeln. Sie erhalten in Sanitätsgeschäften einen Teil der Kleidungsstücke, die mit Silber beschichtet sind und dadurch die Bakterien abtöten.

„Versilberte“ Sportbekleidung kann zur Gefahr für Neurodermitiker werden

Einen völlig anderen Zweck dagegen hat Sportbekleidung, die mit Silberfasern versehen ist. Diese Fasern geben auch Silberionen ab. Allerdings dient die Kleidung nicht dazu, Entzündungen zu verhindern. Vielmehr töten die Silberionen die Bakterien ab, die normalerweise Ihren Schweiß zersetzen. So kommt es nicht zum unangenehmen Schweißgeruch.

Solche Kleidungsstücke als Dauerkleidung sehe ich kritisch. Denn Bakterien können durchaus gegen Silber bzw. gegen Silber­ionen resistent werden. Und dann würden silberbeschichtete Textilien auch bei Neurodermitis und ähnlichen Hauterkrankungen nicht mehr helfen.

Was ist kolloidales Silber überhaupt?

Bei kolloidalem Silber handelt es sich um eine Flüssigkeit, die auch als Silberwasser bezeichnet wird. Enthalten sind winzige Silberpartikel, die einen Durchmesser von einigen tausendstel Millimeter haben.

Je nach Anzahl der Silberteilchen, die in diesem Wasser enthalten sind, kosten 500 ml zwischen 40 und 50 Euro.

Darüber hinaus sind Geräte erhältlich, mit denen Sie die Silberlösung selbst herstellen können. Die Preise für diese Geräte liegen zwischen 100 und mehreren Hundert Euro.

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Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

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