Alexander-Technik: Diese Haltungsschulung erlöst Sie von Bluthochdruck, Kopfschmerzen und Asthma
Inga-Maria Riechberg in Täglich Gesund
vom 27.02.2008 16:00 Uhr
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Stress und Hektik gehören heute für viele Menschen zum Alltag. Kommt noch häufiges Sitzen dazu, meldet sich der Körper bald mit schmerzhaften Verspannungen. Genau an deren Ursachen, nämlich an den unvorteilhaften Haltungs- und Bewegungsmustern, setzt die Alexander-Technik an, die aus Australien stammt. Sie dient aber nicht nur der Therapie, sondern lässt sich auch hervorragend vorbeugend anwenden. Wie das geht, erläutern wir Ihnen in diesem Beitrag.
Der Erfinder war ein Schauspieler mit Atemproblemen
Der australische Schauspieler Frederick Matthias Alexander (1869 – 1955) entwickelte die nach ihm benannte Technik aufgrund eigener Erfahrungen. Als junger Mann rezitierte er dramatische Texte. Doch allmählich litt er immer stärker unter Heiserkeit und Stimmversagen. Seine Ärzte konnten ihm nicht helfen, und so wurde er Forscher in eigener Sache. Er beobachtete sich selbst mit mehreren Spiegeln genau beim Rezitieren und fand heraus, dass er seinen ganzen Körper dabei anspannte. Dadurch wurde sein Kehlkopf zusammengedrückt und die Atemmechanik beeinträchtigt. Schritt für Schritt entwickelte Alexander eine Methode, sich ausgewogener und natürlicher zu bewegen und konnte sich so von seinen Beschwerden befreien.
Alexanders grundlegende Entdeckung war also, dass die Stellung von Kopf, Hals und Rücken die Qualität all unserer Körperbewegungen „bis in die Fußspitzen“ bestimmt.
Das sind die Einsatzgebiete der Alexander-Technik:
- Funktionsstörungen des Bewegungsapparats, z. B. Fehlhaltungen, Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen, Rheuma, Schleudertrauma
- stressbedingte Beschwerden wie Kopfschmerzen, Migräne, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Stottern, Angina pectoris, Bluthochdruck, Angstzustände, Depressionen
- Atemwegsbeschwerden wie Asthma, Heiserkeit, Bronchitis
- Vorbeugung bei körperlicher oder psychischer Belastung in Beruf und Alltag
- Geburtsvorbereitung zur Erleichterung der Geburt
- Verzögerung des Fortschreitens von Morbus Bechterew, Morbus Parkinson, Multipler Sklerose
Nicht angewendet werden darf die Alexander-Technik bei akuten körperlichen Erkrankungen wie einem Bandscheibenvorfall mit Lähmungen, einem Schlaganfall oder ansteckenden Krankheiten.
Bis heute wurde die Wirksamkeit der Alexander-Technik in zahlreichen Untersuchungsreihen bestätigt. Als Erster wies der Arzt und Rheumatologe Wilfred Barlow in den 1940er Jahren anhand von vergleichenden Fotoreihen nach, wie das Alexander-Training Haltungsschäden korrigiert. Neuere Untersuchungen aus dem Jahr 1995 stammen von Christopher Stevens und Dr. Roger Soames vom Kings College der Universität London. Sie belegen, dass die Haltungsschule die schmerzhaften Verspannungen löst. So konnten die Patienten ihre Muskeln wieder freier und effektiver bewegen, ihre Körperlänge und Schulterbreite, die aufgrund der Verspannungen abgenommen hatten, nahmen wieder zu. Auch stressbedingter Bluthochdruck wurde wirksam gesenkt.
Kopf und Hals bestimmen die Spannung des ganzen Körpers
Stellen Sie sich einmal ein Tischtuch vor, das an einer Ecke eine Falte wirft. Diese Falte zieht sich je nach Größe u. U. über den gesamten Tisch. Genauso ist es mit unserer Muskulatur: Ein verspannter Muskel zieht auch die übrigen Muskeln in Mitleidenschaft. So spannen die meisten Menschen die großen Muskeln, die den Hinterkopf mit dem Rücken verbinden, wie z. B. den Trapezmuskel, zu sehr an. Damit biegen sie Kopf und Hals nach hinten bzw. ziehen oft auch die Schultern hoch. Dieser ständige Kraftaufwand verbraucht nicht nur unnötig viel Energie, sondern führt zu Spannungen und Muskelverkürzungen im gesamten Körper. So können z. B. Atembeklemmungen oder Kreuzschmerzen auf eine Fehlhaltung der Halsmuskeln zurückzuführen sein. Sogar Kniebeschwerden sind gar nicht selten die Folge von Fehlhaltungen im Schulterbereich. Doch solche Fehlhaltungen zu ändern, erfordert manchmal ganz schön viel Geduld und Aufmerksamkeit. Denn jahrelang gewohnte Bewegungsmuster sind uns in Fleisch und Blut übergegangen. Die typischen Verspannungen entstehen nämlich sogar schon beim Denken an bestimmte Tätigkeiten, wie Alexander entdeckte. Also müsse etwas im Denkprozess geändert werden, folgerte er.
Mit Unterricht geht es besser
Um jahrelang verspannte Muskeln bewusst loszulassen, ist jedoch die Hilfe eines Alexander-Lehrers unentbehrlich. Alltägliche Situationen wie Stehen, Liegen, Sitzen und Gehen werden begleitet von Anweisungen des Lehrers über das Wann und Wie der Bewegung. Dabei legt Ihr Therapeut z. B. seine Hände auf Ihre Schultern oder Ihren Nacken, um feinste Spannungen zu identifizieren und ein Mehr oder Weniger an Aktivität anzuregen. Eine Verbesserung komplizierter Bewegungsmuster wie beim Gehen, Hinsetzen oder Bücken braucht häufig viel Zeit und Geduld. Doch diese Zeit ist gut angelegt, denn Sie können sich mit der Alexander-Technik bis ins Alter fit und belastbar halten.
Seit 20 Jahren auch in Deutschland bewährt
In Deutschland wird die Alexander-Technik seit 1980 professionell von Ärzten, Zahnärzten, Heilpraktikern und in Kliniken eingesetzt. Als Patient erhalten Sie traditionell Einzelunterricht. Eine Übungsstunde dauert 30 bis 45 Minuten, sie kostet zwischen 30 und 50 €. Bei bereits sehr lange bestehenden Beschwerden sind manchmal bis zu 30 Einzelsitzungen notwendig, bis Sie das Alexander-Prinzip im täglichen Leben umsetzen können. In begründeten Fällen und bei Vorliegen einer ärztlichen Verordnung bezuschussen v. a. private Krankenkassen die Behandlung oder übernehmen sogar die gesamten Kosten.