Akupressur: So einfach, sanft und preiswert kann Schmerztherapie sein

in Täglich Gesund zum Thema Akupressur
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Die traditionelle chinesische Nadeltechnik Akupunktur wurde bereits vor Tausenden von Jahren im alten China entwickelt. Doch nicht jeder Mensch konnte sich damals einen erfahrenen Akupunkteur leisten. So behandelten sich viele einfach selbst, indem sie die Akupunkturpunkte nicht anstachen, sondern mit den Fingern selbst drückten. Nach und nach bildete sich so die Technik der Akupressur heraus.


Auch heute, im Zeitalter der schrumpfenden Kassenleistungen, müssen viele Menschen ihre Gesundheit teuer bezahlen. Mit einer Akupressur-Selbstbehandlung können Sie daher viel Geld sparen. Aber die Methode ist nicht nur aus Kostengründen zu empfehlen: Sie ist einfach anzuwenden, frei von Nebenwirkungen und immer sofort griffbereit". Einige einfache Grundübungen, die Sie gegen Übelkeit, Bluthochdruck oder Venenschwäche einsetzen können, stellen wir Ihnen hier vor.

Akupressur aktiviert Ihre Lebensenergie

Die Akupressur (chinesisch: aku = Punkt oder Loch) folgt den gleichen Prinzipien wie die Akupunktur und gehört wie diese zu den Grundpfeilern der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Nach den Vorstellungen der TCM strömt die Lebensenergie Qi (auch Chi) in festen Bahnen, den so genannten Meridianen, durch den Körper. Schmerzen oder Beschwerden entstehen, wenn der Fluss des Qi behindert ist.

Die Schaltstellen des Qi sind die Akupunkturpunkte auf den Meridianen. Die Meridiane selbst sind anatomisch nicht ausfindig zu machen, Akupunkturpunkte jedoch ließen sich bereits nachweisen, u. a. durch Messung des Hautwiderstandes. Außerdem beginnen hier auffällig viele Nervenbahnen. Im Prinzip lassen sich alle Alltagsleiden mit Akupressur lindern - von Kopfschmerzen über Schwindelanfälle, Verdauungsprobleme bis hin zu Zahnschmerzen. Je früher Sie mit regelmäßiger (!) Akupressur beginnen, desto erfolgreicher werden Sie sein. Tasten Sie sich zum gesuchten Akupunkturpunkt vor. Auf gleichen Druck reagiert er viel empfindlicher als ein beliebiger Punkt seiner Umgebung. Meist erfühlen Sie auch eine kleine Vertiefung im Gewebe. Beim nächsten Mal werden Sie ihn schneller finden, denn er wird empfindlicher geworden sein.

Am effektivsten ist kreisendes Massieren

Professionelle Akupresseure behandeln die Punkte durch Ziehen, Klopfen, Stoßen, Drücken oder Massieren. Für die Selbstakupressur eignen sich die beiden letztgenannten Methoden am besten. Wenn Sie mit sanftem Druck abwechselnd im Uhrzeiger- und im Gegensinn massierend kreisen, folgen Sie dem Prinzip des Yin (Gegensinn, besänftigend) und Yang (Uhrzeigersinn, aktivierend). Dabei nimmt der Körper genau die Stimulation (Besänftigung oder Aktivierung) auf, die er gerade braucht.

Beim Kreisen sollte der Druck mindestens so stark sein, dass sich das Gewebe unter der Haut mitbewegt. Wenn Sie die Akupunkturpunkte mit zwei Fingerspitzen drücken, werden Sie mehr Kraft entfalten. Am tiefsten gelangen Sie mit Daumendruck. Das könnte allerdings anfangs zu schmerzhaft sein. Deshalb gilt: Probieren geht über Studieren.

Aber beachten Sie bitte: Akupressieren Sie nie einen Punkt, dessen Umgebung entzündet ist! Beschränken Sie sich in diesem Fall auf den entsprechenden Punkt auf der anderen Körperseite. Oder verzichten Sie darauf, bis die akute Entzündung abgeklungen ist.

Akupressurbänder lindern Schmerzen und Übelkeit

Bei bestimmten Beschwerden haben sich Akupressurbänder bewährt, die an beiden Handgelenken zu tragen sind. Die in die Bänder eingearbeiteten Knöpfe drücken sanft, dafür länger, den Punkt P6 Neiguan", bei Übelkeit) oder den Punkt H7 (Shenmen", bei Schlafstörungen) am Handgelenk. Die Erfolge sind zum Teil verblüffend. Mehrere klinische Studien bestätigten die Wirkung der Armbänder vor allem bei Übelkeit und Erbrechen.

In diesen Fällen haben sich Akupressurbänder bewährt:

  • Übelkeit in der Schwangerschaft
  • Reiseübelkeit
  • Übelkeit nach einer Narkose oder Chemotherapie
  • Einschlafstörungen
  • Flugangst
  • Nervosität auf Reisen (auch bei Kindern)

Der irische Professor John Dundee von der Universität Belfast hat 1987 in der angesehenen Fachzeitschrift The Lancet erstmals berichtet, dass Akupressur Krebspatienten gegen die Übelkeit bei einer Chemotherapie hilft. Seitdem reißt die Kette von Erfolgsberichten in schulmedizinischen Zeitschriften über die Akupressurbänder nicht ab. In etlichen Kliniken, z. B. im Zentrum für naturheilkundliche Forschung der Technischen Universität München, werden sie inzwischen routinemäßig eingesetzt. Von 100 Patienten, die sich einer Laparoskopie (Untersuchung der Bauchhöhle mit eingeführten Instrumenten, unter Anästhesie) unterziehen müssen, leiden gewöhnlich 42 danach unter Übelkeit und Erbrechen; in einer Studie der Universität Dublin von 1999 waren es mit Akupressurbändern nur 19. Hier hat sich auch gezeigt, dass die Wirkung verbessert wird, wenn Sie die Bänder schon vor der Operation anlegen. Akupressurbänder erhalten Sie unter anderem in der Apotheke (Kosten ca. 10 ). Selbstverständlich können Sie die Punkte am Handgelenk auch per Fingerdruck stimulieren. Erwarten Sie jedoch gerade am Anfang nicht zu viel von der Akupressur. Oft braucht es etwas Übung, um die Punkte richtig zu massieren. Aber wenn Sie ein wenig Erfahrung gesammelt und das richtige Fingerspitzengefühl" entwickelt haben, liegt Ihr Wohlbefinden von nun an in Ihren eigenen Händen.


von
Dr. Ulrich Fricke

Erfahren Sie hier mehr über Dr. Ulrich Fricke - Experte für orthomolekulare Medizin und Naturheilverfahren und Chefredakteur von Länger und Gesünder Leben.

 
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