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2. Türchen: Die Mistel und ihre Heilwirkung

Einem alten Brauch zufolge darf jeder Mann eine Frau küssen, die ihm unter den Mistelzweigen begegnet. Darüber hinaus wurde die Mistel schon seit jeher in der Volksmedizin als wirksames Heilmittel geschätzt.

Mistelzweig zur Adventszeit© Adobe Stock

Gattungen und Heilwirkung der Mistel

Im Winter sind in den kahlen Kronen der Laubbäume leicht die runden, bis zu 50 Zentimeter Durchmesser erreichenden, immergrünen Mistelsträucher erkennbar. Die Mistel ist in Europa und Asien heimisch und gedeiht auf allen Laubbäumen (mit der Ausnahme von Buchen). Nur zwei Unterarten der Mistel wachsen ausschließlich auf Nadelhölzern. Die Mistel wird auch als Vogelmistel, Leimmistel, Hexenbesen oder Drudenfuß bezeichnet. In den Sagen fast aller Völker wird der Strauch mit zauberhaften und glücksbringenden Eigenschaften bedacht. Zu Weihnachten dürfen in England Mistelzweige in der guten Stube nicht fehlen.

Nachdem die blutdrucksenkende Wirkung des Mistelextrakts belegt wurde, begann sich auch die Wissenschaft für die Mistel zu interessieren. In den 30er Jahren konnten Forscher dann die krebshemmenden Wirkungen des Mistelextrakts nachweisen. Seither wird an den Inhaltsstoffen der Mistel intensiv geforscht.

Inhaltsstoffe

  • Lektine (Verbindungen aus Eiweiß und Zuckermolekülen, die an bestimmte Zellstrukturen binden)
  • Viscotoxine (Polypeptide, eiweißähnliche Verbindungen)
  • Flavonoide
  • biogene Amine
  • Kaffeesäurederivate

Zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten

Wenn Sie Mistel im Sinne der Volksmedizin als Tee anwenden wollen, sind die Wintermonate Dezember bis Februar am besten zum Sammeln des Mistelkrauts geeignet. Als Mistelkraut werden die jungen Triebe bezeichnet, die nicht dicker als fünf Millimeter sind (die Blätter werden mitgesammelt). Binden Sie die Triebe locker zusammen und lassen Sie sie bei Temperaturen nicht über 40 °C an einem luftigen Ort trocknen.

Misteltee

In der Volksmedizin wird Misteltee gegen viele Beschwerden angewendet, beispielsweise zur Steigerung der Fruchtbarkeit, gegen Vergiftungen verschiedenster Art sowie bei anderen gesundheitlichen Problemen. Diese Anwendungen beruhen allerdings ausschließlich auf Erfahrungswerten. Die Wirkungen bei den genannten Indikationen konnten bisher wissenschaftlich nicht bestätigt werden.

So ist beispielsweise die blutdrucksenkende Wirkung von Viscotoxin einwandfrei bewiesen worden, doch diese tritt nur nach parenteraler Gabe (als Injektion) ein. Aus dem Misteltee gelangt dieser Wirkstoff nicht ins Blut, da er im Magen-Darm-Trakt nicht zerlegt wird. Das komplette Viscotoxin-Molekül kann jedoch die Darmschleimhaut nicht passieren und wird dadurch nicht in den Blutkreislauf aufgenommen, heißt es in einschlägiger wissenschaftlicher Literatur.

Mistel Tee

 

 

 

 

 

 

Die richtige Zubereitung des Misteltees

Übergießen Sie 2,5 Gramm feingeschnittenes Mistelkraut mit 150 Millilitern kaltem Wasser und lassen Sie alles 10 bis 12 Stunden bei Raumtemperatur stehen. Dann seihen Sie den Tee ab. Sie können eine bis zwei Tassen täglich davon trinken. Misteltee wird auch gebrauchsfertig in Filterbeuteln angeboten (in Apotheken oder Reformhäusern).

In der Volksmedizin wird Misteltee bei folgenden Leiden angewendet:

Das wichtigste Anwendungsgebiet: Tumorbekämpfung

Wissenschaftlich nachgewiesen wurden die günstigen Wirkungen des Mistelextrakts bei der Behandlung von Krebs. Die in der Mistel enthaltenen Lektine, insbesondere das Mistellektin 1, haben immunmodulierende Wirkungen: Sie bewirken einen Anstieg wichtiger Immunzellen (Helferzellen, Killerzellen) und steigern die Ansprechbarkeit der Immunzellen auf Botenstoffe des Immunsystems (Interleukine).

In Tierexperimenten konnte das Wachstum einer ganzen Reihe von Tumoren mit Mistellektinen gehemmt werden. Einem Bericht der Ärzte-Zeitung zufolge wurde kürzlich beobachtet, dass Viscotoxine gezielt den Tod von Krebszellen (Apoptose) herbeiführen. Darüber hinaus stellten Forscher fest, dass der Gesamtextrakt des Mistelkrauts die Erbsubstanz gesunder Zellen schützt. Dadurch wird die Chemotherapie von den Patienten besser vertragen und ihre Wirksamkeit gesteigert. Welche Substanz für diese Wirkungen verantwortlich ist, wurde bisher noch nicht festgestellt.

Misteltherapie steigert Lebensqualität von Krebspatienten

Mit der Misteltherapie ist es nicht möglich, einen Tumor zu beseitigen. Dazu sind die schulmedizinischen Maßnahmen erforderlich. Doch sie kann dann noch im Körper vorhandene restliche Krebszellen bekämpfen. Vor allem aber verbessert sie nach einhelliger Meinung die Lebensqualität. Das allgemeine Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit werden deutlich gesteigert. Oft werden weniger Schmerzmittel benötigt.

Die mit Krankheit und Behandlung verbundenen Belastungen können besser bewältigt werden. Sie fördert den Appetit und vermindert Übelkeit und Erbrechen. Eine fast zwangsläufige Begleiterscheinung von Chemotherapie und seelischer Belastung ist die Entzündung der Mundschleimhaut, die häufig dazu führt, dass die kranke Person unnötig an Gewicht verliert. Dies kann durch die Misteltherapie eindeutig gebessert werden.

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