Lernen Sie, Bewegung zu lieben
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten
vom 4. Mai 2009, 05:00 Uhr
GNL5356
Liebe Leserin,
lieber Leser,
„mal ehrlich," sagt mein lieber Freund Gerd, „gibt es nicht was Besseres als dieses stupide Rumgehopse oder Dauergerenne?" Nicht alle Menschen haben so einen Spaß an Bewegung wie Sie und ich. Die einen integrieren Sport ganz selbstverständlich in ihren Alltag, die anderen quälen sich schon beim bloßen Gedanken daran. Man könnte fast denken, Bewegungslust sei in den Genen festgelegt. Ist sie aber nicht.
Etwa 60 bis 80 Prozent der Deutschen wären gern aktiver, las ich gestern in der Zeitung. Aber „irgendwie" kriegen sie die Kurve nicht. Rund die Hälfte aller Neueinsteiger in Fitnessclubs enden ziemlich schnell als Karteileichen. Die erste Frage, die sich Untrainierte und Fitnesswillige stellen sollten: „Was will ich mit der Bewegung erreichen?" Abnehmen, Abstand zum Büroalltag finden, Spaß haben, Abenteuerlust ausleben, etwas für die Gesundheit tun, einer Krankheit entgegenwirken, straffere Konturen erlangen? Daraus ergibt sich, welche Sport- oder Bewegungsart für Sie in Frage kommt. Den meisten „normalen" Menschen hilft am ehesten eine sanfte Ausdauerbewegung wie Laufen, Schwimmen, Radfahren oder Wandern gepaart mit einem leichten Krafttraining. Aus welchem Grund auch immer Sie persönlich sporteln wollen, stellen Sie sich etwas zusammen, was Ihnen Spaß macht und in Ihren Alltag passt.
Als nächstes nehmen Sie den Start ins Visier. Legen Sie los und zwar gleich, nicht erst nächsten Monat, in einem halben Jahr oder wenn der Doc es Ihnen wegen einer Erkrankung dringend ans Herz legt. Dabei ist die wichtigste Regel: Beginnen Sie langsam. Die meisten Anfänger übernehmen sich nämlich. Besonders schlimm treiben es die Wochenend-Kämpfer, die am Wochenende alles aufholen wollen, was sie unter der Woche nicht geschafft haben. Am Ende sind die so fertig, dass sie nicht mehr gehen und stehen können und den Sport gleich wieder an den Nagel hängen.
Merken Sie sich Folgendes: Wenn Sie so Sport betreiben, schaden Sie sich! Wenn Sie anfallsweise Ihre Bewegung so extrem auf die Spitze treiben, erhöhen Sie Ihr Sterblichkeitsrisiko. Sie profitieren nur von moderatem, aber regelmäßigem Sport. Den dürfen Sie dann allerdings allmählich steigern. Gehen Sie dabei am besten in Wochenschritten vor, bis Sie Ihr Ziel erreicht haben. Beispiel Wandern: Gehen Sie pro Woche jeweils eine Viertel Stunde beziehungsweise einen Kilometer mehr. Beim Laufen steigern Sie sich um jeweils fünf Minuten pro Woche. Das regt auch Ihre Psyche zum Durchhalten an.
Nach drei bis vier Monaten hat sich Ihr Körper daran gewöhnt, Sport zu treiben. Dann schaltet er um auf Automatik und Sie haben gewonnen. Sport können Sie nicht verlernen, denn Ihr Gehirn speichert die Bewegung, die Sie regelmäßig wiederholen, als neuronale Muster ab. Nehmen Sie das Laufen: Wenn Sie Jahre lang gelaufen sind so wie ich, dann erinnert Ihr Organismus sich ewig daran. Sie können einfach loslaufen, ohne länger darüber nachdenken zu müssen. Allerdings „weiß" Ihr Körper auch, dass Sport zur Schinderei werden kann. Das ist die Überlebenschance Ihres inneren Schweinehundes. Dem begegnen Sie am besten, indem Sie sich bewegen. Laufen oder wandern Sie ihm davon. Probieren Sie aus, was Ihnen gut tut und was Ihnen Spaß macht. Wenn Sie bemerken, dass Sie mit einer Art von Bewegung nichts anfangen können, suchen Sie sich etwas anderes. Sie sind nicht verpflichtet, auf ewig bei der falschen Stange zu bleiben. Stellen Sie sich Ihren persönlichen Bewegungsmix zusammen, dann werden Sie auch lieben, was Sie tun! Ehrenwort.
Machen Sie es besser!
Ihr
Helmut Erb