Fortschritt hat seinen Preis
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten
vom 27. Oktober 2009, 05:00 Uhr
GNL5356
Was die Nanopartikel angeht, die Sie mit bloßem Auge nicht zu erkennen können, sind folglich die letzten Fragen noch nicht geklärt. Deshalb hat das Bundesforschungsministerium vor einiger Zeit das Projekt "NanoCare" ins Leben gerufen, um Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt herauszufinden. Man weiß inzwischen, dass die Zwerge eine ungeheure Eigendynamik entfalten können. Darin schlummert eben auch die Gefahr, dass sie unter Umständen gefährlich werden können.
Es gibt Hinweise darauf, dass die Nano-Teilchen extrem giftig sein können, wenn sie eingeatmet werden. In der Studie des Umweltbundesamtes heißt es, dass die Nano-Teilchen bis in die Lunge vordringen und dort Entzündungen auslösen könnten. Im Tierversuch seien sie bin in den Kern von Körperzellen gewandert und hätten dort das Erbgut verändert. Auch auf der Haut haben sie sich als potenziell gefährlich erwiesen. Außerdem stehen sie in Verdacht Krebs auszulösen. Doch all dies ist bislang noch nicht hinreichend belegt.
Kritiker befürchten, dass neue Nano-Produkte verdeckt auf dem Markt eingeführt werden, ohne ausreichend überprüft worden zu sein, und der Verbraucher nichts von seiner möglichen Gefährdung weiß. Sie halten den Einsatz von Nano-Teilchen für ein Spiel mit dem Feuer und fordern umfassende Tests, bevor die Produkte auf den Markt kommen. Dabei sind schon eine ganze Reihe von Nano-Produkten im Handel - etwa Sonnencremes, die mittels Nanos die Haut vor UV-Srahlen besser schützen sollen. Dergleichen gibt es Glasreinigungsmittel, die einen Schutzschild gegen Schmutz aus Nanoteilchen auf die Scheiben legen, Pfannen mit Nano-Beschichtung, Bodenputzmittel, die mit Nanos ein Aufquellen des Parkett-Bodens verhindern oder Wandfarbe, die mit Nanos Mikroorganismen wie Schimmelpilze bekämpft. Mit einer solchen Farbe habe ich gerade kürzlich bei uns größere Flächen gestrichen. Die meisten Nanopartikel stammen jedoch nicht aus neuen Produkten, sondern aus Holzfeuer, Dieselabgasen und Dämpfen von Druckern.
Angesichts der Tatsache, dass die Nanoteilchen uns vor allem in der Medizin auch sehr dienlich sein könnten, sollten wir jedoch nicht in Hysterie ausbrechen, sondern mit angemessenem Abstand abwarten und (Bio-)Tee trinken.