Allein in der Wildnis: Visionssuche immer beliebter
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten
vom 5. November 2008, 05:00 Uhr
GNL5356
Liebe Leserin,
lieber Leser,
seit einigen Jahren entscheiden sich immer mehr Menschen, für eine begrenzte Zeit die Nabelschnur zur Zivilisation zu kappen, um in der Natur sich selbst zu begegnen. Dafür bieten ihnen Anthropologen, Sozialpädagogen, Psychologen und Ökologen eine moderne „Chill-out"-Form an: die Visionssuche. Sie ist althergebrachten Initiationsriten nachempfunden, die es bei etlichen Völkern gibt. Manche Indianerstämme beispielsweise schicken ihre jungen Männer, wenn sie in das Alter der Mannbarkeit kommen, für einige Zeit allein in die Wildnis. Hier sollen sie überleben lernen, dem Universum näher kommen, Ehrfurcht vor der Natur entwickeln und sich mit den Visionen befassen, die sie hier heimsuchen. Heute kann man dieses Erlebnis als Seminar buchen - sei es in den Wäldern des Bayerischen Waldes, in der Abgeschiedenheit von Bergtälern oder - etwas schicker - in den Landstrichen der Toskana. Für einige Tage und Nächte heißt es, Abschied nehmen von der Zivilisation und sich - ohne Zelt und Nahrung - in die Gemeinschaft mit der Natur zu begeben.
Ich kenne das von meinem Einzelkämpfer-Lehrgang sowie aus vielen unterschiedlichen beruflichen Situationen. Allerdings war ich schon als Junge mit meinen Freunden häufig auf Nachtwanderungen oder für einige Tage ohne alles im Wald. Wir haben Tiere beobachtet, Pflanzen bestimmt, uns etwas zu essen gesammelt, Feuer gemacht, gekocht, Trinkwasser gewonnen und nachts die Sterne angehimmelt. Die Nacht war nie etwas, was bei mir Angst auslöst. Ich liebe die Dunkelheit - vor allem im Wald. Denn sie befreit die Sinne.
Machen Sie es besser!
Ihr
Helmut Erb